„Zwei Drittel reichen schon“

Die Bande schien Oliver Mebus vor dem Spiel sehr genau zu beobachten. Ohne Zweifel wird er festgestellt haben, dass diese optisch denen aus Nürnberg gleicht. Erst einmal, dann zweimal ließ er seinen Blick über die Bande hinter dem Tor schweifen und beriet sich mit Yasin Ehliz und Dane Fox fachmännisch über seine Erkenntnisse. Die Bande, ja die Bande, die in der letzten Saison mehreren Mannschaften des Öfteren zum Verhängnis geworden ist und Thomas Sabo beinahe zur totaler Verzweiflung gebracht hatte. Spätestens als er Dane Fox ein drittes und ein viertes Mal dabei beobachtete, wie er den Puck an der Bande gleiten ließ, war klar: Ein Gegentreffer wollten die IceTigers dieses Mal nicht mehr auf diese Art und Weise hinnehmen. Das ist auch gelungen! [Edit: Zwei unglückliche Gegentore in der vergangenen Saison, auf Grund einer Fehlstellung der Bande].

Tatsachen auf den Tisch! [1. Drittel]

Tatsache: Noch nie hat es Nürnberg geschafft, im ersten Drittel in Führung zu gehen. Das galt auch für das vierte Spiel, welches dem Start in der Hauptstadt Berlin ähnelte. Doch es war in Köln weder die vierte Minute (noch Tom Gilbert), welche der Heimmannschaft zur Führung verhalf.

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Die IceTigers mit Startproblemen! [Foto: Birgit Eiblmaier]
Nicht einmal 21 Sekunden waren gespielt, schon waren sie alle heiß wie Haifischfett: Köln ist Tabellenführer. Daran änderte auch Dane Fox nichts, der offensichtlich nicht daran interessiert ist, seine Offenheit zur Kommunikation zu minimieren. Kommunikation fehlte offensichtlich in der Defensive. Jede zweite Aktion der Haie führte zu einer brandgefährlichen Situation, abgerundet von Sebastian Uviras Treffer zum 2:0. Die Paradereihe der Liga blieb nicht ohne Chancen, zwingend war da aber nichts. Damit blieb es beim Pausenstand, welcher in Berlin nicht für liegengelassene Punkte sorgte. Und dieses Mal…

…brüllte der Tiger erneut! [2. Drittel]

Im zweiten Drittel startete zur Abwechslung die Reihe mit Leo Pföderl, David Steckel und Marco Pfleger – gepaart mit Taylor Aronson und Brett Festerling. Eine Veränderung im Spiel brachte das aber in den Anfangsminuten nicht, da die IceTigers weiterhin die Schwächere und unter Druck stehende Mannschaft blieben, die sich immer wieder mit unerlaubten Weitschüssen und falschen Abstimmungen in Schwierigkeiten brachte. Bis Yasin Ehliz kam, sah und traf (assistiert von Aronson und Reinprecht) und zum 2:1 verkürzte. War das der Beginn eines Machtwechsels, so wie in den vorherigen drei Spieltagen?

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Steven Reinprecht assistierte zum ersten Tor im Spiel! [Foto: Birgit Eiblmaier]
Patrick Reimer, der wegen eines eher unsichtbaren Stockschlags auf die Strafbank musste, war dieser Moment, in dem die Macht die Seite wechselte. Direkt nach dem er zurück aufs Eis kam, legte er unfassbar perfekt für Brandon Segal vor, der Gustav Weslau überwand und den 2:2 Ausgleich zur Realität machte [Edit: Auch in Berlin war Segal der Torschütze zum 2:2]. Und dann? Ja, dann waren es die Thomas Sabo Ice Tigers die regierten und das Spiel binnen weniger Sekunden drehten: Das 2:3 von Steven Reinprecht ließ auch das erste Mal erkennen, das doch eine recht ordentliche Anzahl an Gästefans vor Ort war.

Weniger kritisch sah das erste Drittel der Headcoach der Nürnberger, Rob Wilson – das behauptete er zumindest in der Pressekonferenz. Dem Gesichtsausdruck beider Trainer zur Folge, waren sie eher unzufrieden gestimmt.

Rob Wilson: „Ich bin zufrieden mit unserem ersten Drittel, wir haben gut gespielt und hatten nur ein wenig Pech. Wir haben in der ersten Drittelpause eine Kleinigkeit umgestellt, das hat sehr gut funktioniert. Wir haben das Momentum bekommen und aufrecht erhalten. Im letzten Drittel haben wir sehr solide gegen ein sehr gutes Team gespielt“

Kontrolle! [3. Drittel]

Nach der Adaptierung an das Kölner Spiel und dem starken zweiten Drittel kam die bereits bekannte Kontrolle, die wir von den anderen Spielen kennen. Es scheint, als hätten die IceTigers einen neuen Stil gefunden, Spiele zu gestalten. Eine neue Art, Storybords zu schreiben, wie Wolfgang Gastner so schön sagte. Diverser  als sein Coach äußerte sich Marcus Weber nach dem Spiel zum Verlauf des ersten Drittels.

Marcus Weber: „Wir haben ein enormes Problem im ersten Drittel (bislang). Damit müssen wir noch etwas machen […] Wenn wir wüssten, woran es liegt, hätten wir es schon längst anders gemacht (lacht.) Da ist noch Handlungsbedarf. Aber ich denke, dass wir sonst schon zufrieden sein können.“

Klar wird auch, dass es in dieser Saison wohl nicht so schnell zu einer Rotation der Torhüter kommen wird, nachdem Andreas Jenike zum vierten Mal in Folge einen Sieg verbuchen konnte. Auch in Köln gehörte er zu den Schlüsselpersonen zum zweiten Sechs – Punkte – Wochenende in Folge.

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Andy Jenike hielt die IceTigers oft im Spiel und hat einen großen Anteil an den bisher gesammelten Punkten! [Foto: Thomas Hahn]
Gefährlich nah am „Wir gewöhnen uns daran!“ [Fazit]

Es ist wunderbar, dass es der Mannschaft tatsächlich gelingt, das erste Drittel quasi nicht zu spielen und sich im zweiten Drittel an den Stil des Gegners  zu adaptieren. Doch so einfach es scheint, so einfach kann dies auch gefährlich werden. Man sollte sich nicht immer darauf verlassen, dass man die gegnerische Mannschaft im zweiten Drittel de facto überfällt und überfordert. So kann es mal schnell nach hinten losgehen, wenn man damit beginnt, Rückstände auf die leichte Schulter zu nehmen. Dies nicht zu tun, wird am kommenden Wochenende besonders wichtig. Die IceTigers müssen sich beim AEV und zu Hause gegen Mannheim bewähren. Aus dem Curt – Frenzel Stadion wird es wieder Interviews geben, die auf allen möglichen Kanälen zu finden sind.

Unwahrscheinlich ist ein drittes sechs – Punkte – Wochenende nicht. Simpler wird es aber sicher nicht werden.

Beitragsbild: Birgit Eiblmaier

Bis dahin: Hannover 96 ist nicht mehr Tabellenführer der Bundesliga, Nürnberg schon, wehrter Kollege Sebastian Böhm! 

@_oliverwinkler_
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1 Kommentar

  1. „Das 2:3 von Steven Reinprecht ließ auch das erste Mal erkennen, das doch eine recht ordentliche Anzahl an Gästefans vor Ort war.“ in einer schon lange ausverkauften Arena(siehe letzter Blogeintrag) bei 10000 freien Plätzen ist denke ich keine Kunst und wirkt doch etwas wie Understatement ggü. den eigenen Fans.

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