„Ich habe nichts verraten – echt nicht!“

Es ist 17:48 Uhr. Die ersten Spieler betreten die Katakomben der Arena. Der drückende Geruch, von beim Sport austretenden, Körperflüssigkeiten liegt in der Luft. In vierundzwanzig Stunden wird das anstehende Spiel zu Ende sein. Motivation haben sie zu Hause gelassen. So scheint es zumindest, als man in die Gesichter von Cody Lampl, Chris Rumble und Brock Hooton blickt. Thomas Popiesch hat sich Jason Bast als Gesprächspartner über die Taktik gegen Nürnberg ausgesucht. Schnell werden sie spielen. Die ersten zehn Minuten müssen druckvoll sein. Im besten Fall ein – vielleicht sogar zwei Tore machen, um Spielern wie Fox den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nürnberg hat ein schwaches erstes Drittel, sagt Popiesch zu Bast. Das müssen wir ausnutzen, fährt er fort. Ausgenutzt haben sie das nicht. Exakt das, was Thomas Popiesch umsetzen wollte, machte die Mannschaft von Rob Wilson. Bevor Gerüchte aufkochen: Ich jedenfalls, habe nichts verraten – echt nicht!

Nuernbergs Fox gegen Bremerhavens Lampl
Dane Fox aus dem Spiel nehmen. Der Plan von Thomas Popiesch ging nicht auf! [Foto: Eiblmaier]
Zu viel, viel zu viel!

Um auf das Intro zurückzukommen. Dane Fox aus dem Spiel nehmen hat nicht funktioniert. Die ersten zehn Minuten Druck machen ebenfalls nicht. Und von ein – im besten Fall zwei Toren kann nicht die Rede sein. Im Tor der Heimmannschaft zumindest nicht. Ich kann nicht behaupten, dass Dane Fox als erster Torschütze kein Zufall war. Wertvolle Vorarbeit leistete vor allem auch Phillipe Dupuis. Das zweite Tor bekam der Trainer der Bremerhavener direkt im Anschluss. Nur dreizehn Sekunden später drehte sich Taylor Aronson elegant um die eigene Achse und schoss den Puck ins halbleere Tor. Nürnberg führte mit 2:0. Während knapp 4700 Zuschauer darüber nachdachten, ob das wirklich das erste Drittel ist und sie nicht erst einfach, schon mal vorsichtshalber, zum zweiten Drittel gekommen sind, fingen die IceTigers erst so richtig an. Ein Schuss nachdem anderen schlug entweder neben oder auf Jaroslav Hübl ein, für den sich die 1400 Kilometer so richtig gelohnt haben. Nachdem sein Vordermann Jordan Owens aus dem Nichts zum 2:1 verkürzte, bescherte ihm Leo Pföderl den vorzeitigen Feierabend. Nicht ein Mal dreizehn Minuten hat er es im Tor ausgehalten.

Besonders hervorheben muss man auch die Leistung von Eugen Alanov. Alanov spielt bisher sehr gut mit, ist immer bemüht und hatte auch gegen Bremerhaven zwei beachtliche Torschüsse hingelegt, die für ihn leider nicht ins Tor gingen.

Erstes Drittel?

Euphorisiert von der zwei Tore Führung und dem gewaltigen Druck, den die IceTigers den Schülern präsentierten, die ihren freien Tag für ein Eishockey – Spiel geopfert haben, ging es in den Mittelabschnitt. Man hatte das Gefühl, als hätte man das erste und das zweite Drittel vertauscht. Erst Chad Nering, drei Minuten später dann Cory Quirk netzten ein und glichen zum 3:3 aus. Das kam aber nicht aus dem Nichts.

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Kein leichtes Drittel für Andy Jenike: Zwei Mal landete der Puck im Tor! [Foto: Hahn]

Minutenlang hatte die Mannschaft von Rob Wilson Probleme, spielte unsauber und kam immer wieder ins Straucheln. Wilson reagierte sofort und nahm eine Auszeit und das mit positivem Effekt. Endlich kam man wieder zu Chancen, vor allem Oliver Mebus hatte eine rießen Möglichkeit, schoss aber knapp am Pfosten vorbei. Direkt danach rettete der direkte Pfostentreffer die IceTigers vor einem Rückstand. Etwas glücklich ging es beim Spielstand von 3:3 zum letzten Mal in die Kabinen.

Oliver Mebus über das zweite Drittel: „Es ist das dritte Spiel in fünf Tagen. Es war klar, dass dann eine Phase kommt, in der wir etwas schlampiger spielen. Bremerhaven ist zurück ins Spiel gekommen, was wir aber vorher wussten, weil die sicher keine schlechte Mannschaft sind. Die drei Spiele in fünf Tagen sind sicher keine Ausrede, aber eine Bezeichnung dafür, was im zweiten Drittel passiert ist. Da mussten wir dann einfach zusehen, dass wir das im dritten Drittel wieder besser machen“.

Up and Down!

Noch nicht alle Schüler, Lehrer und Begleitpersonen hatten sich ihre Versorgung für das dritte Drittel besorgt, da kamen die IceTigers durch eine individuelle Glanzleistung von Philippe Dupuis wieder in Führung. Erst einen, dann zwei –  am Ende waren es drei Spieler, die Dupuis stehen ließ. Damit aber noch nicht genug. Im Finale seiner einfach großartigen Aktion umfuhr er auch noch Tomas Pöpperle und schob zum 4:3 ein. Doch nur ein paar Augenblicke später glich Jan Urbas nach dem Pass von Chris Rumble aus. Ab dem Moment an fing die Bank der Bremerhavener fast schon zu Kochen an. Unfassbar hart arbeiteten die Gäste daran, das Spiel zu drehen. Auf beiden Seiten kam es zu Chancen, doch am Ende war es – wer sonst – Leo Pföderl, der mit seinem zweiten Treffer die 5:4 Führung brachte und das zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Overtime nicht verwunderlich gewesen wäre.

Try ORGANICO

5:4 – Sieg heißt es am Ende also gegen Bremerhaven. Einen großen Anteil daran haben Phillippe Dupuis, Leo Pföderl und David Steckel. Für mich die besten drei Spieler des Abends. David Steckel sogar der beste Spieler der beiden vergangenen Spiele.

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Immer zur Stelle: David Steckel mit Vollgas dabei! [Foto: Eiblmaier]

Starke Worte kamen direkt nach dem Spiel auch von Andy Jenike, der insgesamt vier Mal hinter sich greifen musste.

Andy Jenike auf die Frage, wie er die aktuelle Torhütersituation bewertet: „Es ist immer schwer und unangenehm für einen Torhüter, wenn er bei so einem Spiel im Tor steht. Ich habe den Start in dieser Saison bekommen, dann hat Niklas spielen dürfen und hat das einfach super gemacht. Vor allem deshalb ist es nicht nur okay, sondern richtig so, dass er viele Spieler hintereinander gemacht hat und vom dem her ist alles in Ordnung.“

Die IceTigers landen damit wieder auf dem ersten Platz der Tabelle, einen Punkt vor München und Berlin. Gerade der Tabellendritte München ist nach dem gewonnen Spiel gegen Bremerhaven im Fokus. Am Freitagabend kommt es zum Showdown in der Arena. Wie die IceTigers auftreten wollen, sehen Oliver Mebus und Andy Jenike sehr ähnlich.

Oliver Mebus und Andy Jenike über das kommende Spiel.

Andy: „Ja, letztes Jahr vier mal gewonnen, aber letztes Jahr ist vorbei. Wir werden uns die Münchner mal ganz genau im Video anschauen. München ist sicher ein sehr starker Gegner und zu Recht der Primus in der Liga. Wir werden uns gut vorbereiten und dann sehen wir am Freitag weiter.“

Oliver: „Natürlich hört man das sehr gerne, dass man in der vergangenen Saison vier Mal gewinnen konnte, aber dieses Jahr fangen wir alle von Neu an. Ich denke, München ist auf einer Wellenlänge mit uns – auch was die Ambitionen angeht. Wir müssen stark auftreten und konzentriert sein und dann wird das klappen.“

Wir werden sehen, ob Oliver Mebus Recht behält. Aktuell würden die IceTigers vor über 5200 Zuschauern antreten. Da ist noch viel Luft nach oben und viele Lücken zu füllen.

Bis dahin: Ein Hoch auf alle Leser, die kontinuierlich mit dabei sind und kommentieren. Viertausend sind wir mittlerweile im Durchschnitt. Und das ist der Lohn für diese Arbeit: Leser und Wertschätzung. 

@_oliverwinkler_
Alle Interviews mit den Thomas Sabo Ice Tigers – brandaktuell immer am nächsten Tag im Tagesprogramm von afk max und immer montags im Sportblitz!

 

 

 

 

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