„Möchtegern Journalismus und ein bisschen Eishockey!“

Damals als Kind stand ich in Tschechien hoch motiviert auf Schlittschuhen und versuchte, einen Schritt nach dem Anderen zu machen, um zum anderen Tor zu fahren und den Puck zu versenken. Das ich mal in Düsseldorf neben Steven Reinprecht stehe und mein Name durch den ISS Dome hallt, habe ich mir damals nicht erträumen können. Das ich das in meiner Welt als Möchtegern – Journalist schaffe, wie das beste Geschenk Gottes in der Nürnberger Arena freundlicherweise behauptet, schon gar nicht. Ein Viertel der Saison, über sechstausend Kilometer und mehr als 40.000 Aufrufe dauert es, bis man von fünfzehn unfassbar motivierten Schönheiten ehrenvoll und vor allem lautstark erwähnt wird. Während sich fünftausend Fans der Düsseldorfer EG zu dem Zeitpunkt fragten, wer dieser ominös skandierte Oliver Winkler wohl ist, wechselte meine Gefühlslage zwischen Tomate und Geilheit. Hätte mich nicht der stechende Geruch von tausenden Wunderkerzen daran erinnert, dass noch Eishockey gespielt wird, wäre ich wohl in fremden Sphären geblieben. Im Nachhinein wäre das möglicherweise gar nicht so schlecht gewesen. 

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„Heja DEG!“ [1. Drittel]

„Abwarten und Düsseldorf kommen lassen“ muss die Taktik von Rob Wilson für das erste Drittel gewesen sein. Anders kann man sich den Start in das Spiel nicht erklären. Wie bereits in den vorherigen Spielen trat der bis dato noch Tabellenführer erkennbar zurückhaltend auf. Dieses Mal aber auch noch ohne Spirit, was dem kompletten Spiel einen faden Beigeschmack verpasste. Nicht ohne Grund waren es satte siebzehn Paraden, die Andy Jenike raus holen musste. Sämtliche Fotografen merkten spätestens ab der siebten Spielminute, dass im Drittel der Düsseldorfer keine Fotos entstehen werden und positionierten sich lieber neben dem Nürnberger Drittel. Eine mehr oder weniger gefährlichen Chance von Leo Pföderl blieb soweit die einzige nennenswerte Situation vor dem heimischen Torhüter Daniel Bakala, der eine beachtliche Performance ablieferte.

Besonders auffallend präsentierte sich David Steckel, der schon fast zu motiviert bei der Sache war und nicht nur im ersten Drittel über die Grenzen ging und unnötige Strafen provozierte. Von allen anderen Spielern, mit Ausnahme von Jenike, kam unverständlicherweise kein Lebenszeichen.

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17 Schüsse im ersten Drittel pariert: Andreas Jenike! [Foto: Birgit Eiblmaier]
„Sind wir bald fertig?“ [2. Drittel]

Das änderte sich auch im Mittelabschnitt nicht. Sicher fragte sich der ein oder Andere, warum er überhaupt vor Ort war. Die ersten sechs Minuten waren an Ereignislosigkeit nicht mehr zu überbieten, bis Dane Fox auf der Strafbank Platz nehmen musste. David Steckel konnte den Puck vorerst zusammen mit Oliver Mebus aus dem Drittel befördern. Maximilian Kammerer aber startete einen neuen Anlauf, brachte den Puck hinter das Tor und passte zu Alexander Barta, der an der blauen Linie wartete und den Puck nahezu unhaltbar halbhoch ins Tor hämmerte. Die Düsseldorfer EG führte mit 1:0 und das verdient. Bis dato kamen von Nürnberger Seite keine Aktionen in der Offensive, was sich ab dem Zeitpunkt langsam änderte.

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Philippe Dupuis und Marius Möchel kamen zwar zu zwei vergleichsweise gefährlicheren Chancen, änderten aber nichts am Rückstand. Leidtragender war erneut Andy Jenike, der stellenweise einer Flut an Schüssen ausgesetzt war und das Spiel quasi alleine machte. Trotz der vielen Schüsse blieb die Partie größtenteils ohne spannende Momente oder Sticheleien. Düsseldorf war stets bemüht und doch nicht erfolgreich – Nürnberg war halb bemüht und ohne Elan.

So sah das scheinbar auch Sascha Bandermann, der mich mit den Schultern zuckend anschaute und sich in dem Moment sicher fragte, warum sich Sport 1 ausgerechnet dieses Duell aussuchen musste.

„Das gibt es doch nicht…!“ [3. Drittel]

Im letzten Drittel war dann auf ein Mal alles anders. Die Mannschaft von Rob Wilson kam zu enorm vielen Chancen und erarbeitete sich nach und nach eine Druckphase, die relativ vielversprechend war. Als die Düsseldorfer EG nur noch zu dritt auf dem Eis stand, hätte das Tor zum 1:1 fallen müssen – tat es aber nicht und das obwohl Dane Fox und Milan Jurcina in aussichtsreiche Positionen kamen. Unbeeindruckt vom nicht entstandenen Tor in Überzahl arbeitete das Team weiter, kam aber schnell an seine Grenze. Fünf Minuten vor Schluss war es David Steckel, der dank einer hervorragenden Vorarbeit von Leo Pföderl, frei im Slot vor dem Düsseldorfer Torhüter auftauchte, diesen aber nicht überwinden konnte.

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Angerannt und doch gescheitert: 2:0 für die DEG! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Nach dieser Chance war das Spiel schon fast entschieden. Düsseldorf kontrollierte die ablaufende Zeit und ließ die Ice Tigers erfolglos anrennen. Das änderte auch der sechste Feldspieler nicht. Der Spielaufbau war zu dem Zeitpunkt zu unkonzentriert, so dass Spencer Machacek einen Fehlpass in der neutralen Zone ausnutzen und den Puck zum endgültigen 2:0 ins leere Tor schießen konnte. Rob Wilson versuchte es erneut ohne Torhüter, zu holen war aber nichts mehr.

Try ORGANICO

Fazit: Das keine Punkte in Düsseldorf zu holen waren, ist leider voll verdient. Sicher fehlen der Mannschaft momentan viele Spieler und dadurch auch die Kraft, um solche Spiele über die volle Zeit konstant stark durchspielen zu können. In Düsseldorf fehlte aber auch der Spirit und ein Stück weit auch der Wille, das Tor zu machen, welches den Spielverlauf wahrscheinlich verändert hätte. Deshalb ist es heute relativ schwer, die drei besten Spieler des Spiels zu nennen. Auf dem Eis stand nämlich nur einer, der voll bei der Sache war: Andreas Jenike.

Marco Pfleger hat direkt nach dem Spiel klare Worte gefunden und einen Ausblick auf die nächsten zwei Wochen gegeben, die zwei schwere Heimspiele (gegen die Kölner Haie und die Augsburger Panther) bieten:

Die Töne nach dem Spiel sind ab heute in den Nachrichten von Hit Radio N1, sowie im Tagesprogramm von afkmax zu hören. Hier geht es am Sonntag in Schwenningen weiter.

Und bis dahin: Think outside the box! 

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