„Ihr seid keine Eishockey Fans!“

Die Lust danach, anderen auf Grund der Angehörigkeit zum gegnerischen Verein gewaltsam Schaden zuzufügen ist aus der Szene so mancher Gruppierung beim Ballsport auf grünem Grund bekannt. Das Familien dreimal überlegen, ob Sie das Spiel besuchen oder nicht, kennt man ebenfalls aus Stadien, in denen sich die Intelligenz Träger Deutschlands versammeln. Doch beim härtesten Sport der Welt kennt man Härte nur auf dem Eis – oder etwa nicht? Ist es nicht so, dass vor und nach dem Spiel alle wieder Menschen sind und sich faktisch nicht unterscheiden? Wann ist die Grenze zwischen provozierenden Aussagen und ernsthaften Drohungen überschritten? Der Fall tritt in dem Moment ein, indem sich Fans nicht mehr in Städte trauen, weil man sich nicht sicher sein kann, ohne Blessuren zurück zu kommen. Nicht nur in Mannheim kam es vor dem Duell zu üblen Drohungen gegen eine Fan Gruppierung. Eine Nürnberger Gruppe, die exakt diese „Ultras“ ironisch, teils makaber – aber auch provokativ nachahmt. Auch in Iserlohn, Straubing und Ingolstadt kommt es immer öfter zu Ausschreitungen zwischen Fans, wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um Erwachsene, Jugendliche, Kinder oder weibliche Fans handelt. Und für die Primitiven, die sich immer mehr den Weg in vierzehn Arenen suchen, sollten wir alle nur eine – gemeinsame – Botschaft haben: Ihr habt im Eishockey Sport nichts verloren. Ihr seid keine Fans, auch wenn ihr Euch so betitelt. Dieser Sport ist so emotional, gleichzeitig aber auch extrem bindend und ihr seid es, die dieses noch so harmonische Gleichgewicht in Gefahr bringen. Ihr seid Abschaum und Euch ist nur eins zu wünschen: Ein Durchgreifen aller Vereine und der Liga, die Euch endgültig den Eintritt in alle Stadien Deutschlands verwehrt, in denen wir alle ein Motto verfolgen: Wir sind alle Eishockeyfans.

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„Viel Härte und europäische Strafbänke!“ [1. Drittel]

Zweifel an den Schiedsrichtern ist in den meisten Fällen berechtigt. So sahen das auch die Anhänger der Adler Mannheim, die nahezu alle Kontakte zweier Körper unterschiedlicher Mannschaften mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke untermalten und dabei mehr Dezibel durch die mit 12.000 Zuschauern gefüllte SAP Arena jagten, als während des normalen Supports. Dabei war es ein wunderschönes Drittel, welches uns beide Mannschaften boten. Es mangelte weder an Härte, noch an Chancen. Die größten hatte dabei allerdings die Heimmannschaft, die zwei Mal in Überzahl spielen durfte. Dabei landete John Mitchell zum ersten Mal auf einer europäischen Strafbank und das nach 23 Sekunden. Ob es in der NHL oder der DEL gemütlicher ist, durfte er volle zwei Minuten testen, da das Agieren in Unterzahl seiner Mitspieler fabelhaft funktionierte. Aber auch die Sturmreihen von Rob Wilson blieben alles andere als untätig: Brandon Segal und David Steckel kamen zu hochkarätigen Möglichkeiten, scheiterten aber in beiden Fällen am Mannheimer Torhüter.

Apropos Schiedsrichter: Dane Fox musste sich fünf Minuten vor Schluss des ersten Drittels einem harten und fragwürdigem Check vom heimischen Rechtsverteidiger Aaron Johnson geschlagen geben und verletzte sich dabei erkennbar stark. Die Fans der Adler können froh sein, dass es hierfür keine Strafe gab.

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Viel Action und Härte in den ersten zwanzig Minuten! [Foto: Bianca Ebenhöch]
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„Frust und Spiele!“ [2. Drittel]

Dane Fox war zurück auf dem Eis, verursachte aber leider das erste Tor. Fox verlor die Kontrolle über den Puck und gab diesen direkt im Slot an Marcel Goc ab, der Andy Jenike aus kurzer Distanz überwand. Kurz zuvor hatten die Adler Mannheim einen Puckverlust im eigenen Drittel zu beklagen. Patrick Reimer versuchte das auszunutzen und passte auf Yasin Ehliz, der aber knapp an Dennis Endras scheiterte. Ab dem ersten Gegentreffer war Nürnberg nicht in der Lage, konzentriert und kontrolliert ins Spiel zu finden. Die Adler kamen immer wieder in vielversprechende Konter und brachten Jenike regelmäßig in Bedrängnis. Mit der Zeit steigerte sich auch der Frust bei den Männern in weiß und schwarz, die zwar langsam in gute Schusspositionen kamen, diese aber überhaupt nicht gut umsetzten konnten.

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Mannheim mit Dominanz im zweiten Drittel! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Frust muss abgebaut werden. Das dachte sich auch Taylor Aronson, der in der 36. Spielminute mehr als nur unnötig –  hart ran ging und den Adlern zur falschen Zeit ein Mann weniger um die Flügel band. Die bedankten sich dafür aber nicht, das Glück der Gäste war in dem Fall einfach unnormal groß. Auch deshalb stand es nach fünf torlosen Drittel in Folge nur 1:0 für Mannheim.

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„Sie sind zurück!“ [3. Drittel]

Fünf Drittel ohne Tor. Das ist eine extrem lange Zeit für ein Team, dass die besten Sturmreihen der Liga aufweist. Allerdings konnte man siebzehn Minuten lang keine Anzeichen erkennen, dass die Ice Tigers ein Comeback hinlegen könnten. Fast schon verzweifelt und ohne Hoffnung rannte eine Formation nach der Anderen gegen die mittlerweile defensiv aufgestellten Mannheimer an. Näher kamen sie dem Ausgleich damit nicht, im Gegenteil: Immer wieder waren es Chancen für die Heimmannschaft, die sie sich durch die offensive und offene Positionierung der Gäste erarbeiteten. Und dann das: Als alle schon mit einer weiteren Niederlage abgeschlossen hatten, fälscht Taylor Aronson vier Sekunden vor Schluss den Puck irgendwie zu Philippe Dupuis ab, der den Puck zwischen den Schonern von Dennis Endras ins Tor bugsierte: 1:1. In dem Moment rastete nicht nur der Gästeblock, sondern auch die gesamte Spielerbank aus. Während der Equipment Manager das Plexiglas zerlegte, bereitete sich die Mannschaft von Sean Simpson auf die Overtime vor, die sich nach einem Fehler von Tom Gilbert leider gewinnen konnten: 2:1 für Mannheim.

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Die Stars in the Rink auf einem Bild: Weber und Jenike! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Marcus Weber ist ohne Zweifel auch diese Woche einer der besten Abwehrspieler auf dem Eis. Er hat, im Vergleich zur vergangenen Saison, nicht nur an Masse zugenommen – sondern auch an Übersicht und Spielverständnis. Er achtet auf seine Mitspieler, spielt schlaue Pässe und verhindert oft Gegentreffer, bzw. die Entstehung von größeren Chancen. Vor allem im verpatzten Spiel gegen Wolfsburg war nicht schwer zu erkennen, dass Weber nun auch endlich sein erstes Saisontor verzeichnen möchte. Wenn er so weiterspielt, wird ihm das sicher nach der Pause gelingen. Vor allem sollte er auch seine Stärke und Motivation beibehalten, die ihn momentan antreibt.

Viel Lob verdient auch Andy Jenike, der nach der Verletzung von Niklas Treutle ohne Pause zwischen den Pfosten stehen muss und in keiner einfachen Situation steckt. Auf Grund der fehlenden Präzision seiner Vordermänner (und der vielen Ausfälle) muss er die Mannschaft mit unfassbaren Paraden und Aktionen im Spiel halten, was ihm bislang auch immer gelang. An Jenike liegt es mit Sicherheit nicht, dass man ein Punkt aus zwei Spielen holen konnte. So ist es ihm auch mal erlaubt, fluchend die Mannheimer Eisfläche zu verlassen.

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Es fehlte in den letzten beiden Spielen (Wolfsburg und Mannheim) an Konzentration und an einer konstanten Leistung, die sich durch das gesamte Spiel hätte ziehen müssen, um Punkte zu holen und Tore zu erzielen. Das ist sicher das Ergebnis der vielen Verletzungen, die uns diese Saison glücklicherweise nicht direkt vor den Play Offs begegnet sind (bislang zumindest nicht). Umso wichtiger ist es, die beiden Ergebnisse vor der Pause mit Fairness zu bewerten. Die Mannschaft wird in zwei Wochen stark zurückkommen und zu alten Leistungen zurückkehren: Da sollten und können wir uns sicher sein.

Und bis dahin: Wir sind alle Eishockeyfans! 

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Nach einer längeren Pause war auch wieder Bianca Ebenhöch mit ihrer Kamera vor Ort. Da natürlich nicht alle Bilder hier Platz finden können, könnt ihr Euch eine kleine Auswahl der tollen Bilder in der Galerie ansehen:

 

 

 

1 Kommentar

  1. „Wir sind alle Eishockeyfans“ – Dem stimme ich absolut zu und möchte mal ein positives Beispiel anführen. Nach dem Augsburg Spiel standen „Fans“ des AEV vor dem Ausgang und sangen lautstark Schmählieder gegen die TSIT und unseren Sponsor. Diese wurden total ignoriert und von niemandem angegangen. Deeskalierender geht’s nicht. Das sind Eishockeyfans..

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