„Discounter gegen Markenware!“

Zwischen Markenprodukten und Produkten, die im Preisspektrum in unteren Stockwerken angesiedelt sind, ist das Erkennen von Unterschieden oft keine leichte Aufgabe. Vor allem dann, wenn beide Produkte einen ähnlichen oder identischen Namen tragen. Tabellarisch betrachtet müsste die Sache klar sein: Die Marke steht oben, das Discounter – Produkt am Ende der Reihe. YouTuber und Influencer machen bei diesen Themen kurzen Prozess und nehmen beides in den Mund, raten bunt und (total) improvisiert, ob das Produkt teuer oder preiswert ist. Leider konnte man sich weder Tucher, noch Hacker – Pschorr (Edit: Sponsor des preiswerten „Produkts“) vor dem Duell einführen, um den Geschmack zu testen. Preislich sind (beim Bier) auch kaum Unterschiede festzustellen. Von Straubinger Lebkuchen hat man noch nie etwas mitbekommen. Der Genuss der Nürnberger Lebkuchen ist unbestritten. Und auch wenn man einen Laien auf die Tribüne gestellt und erwartet hätte, dass dieser Mensch die Marke auf dem Eis erkennt, wäre man gescheitert. Zwar ist das optische Auftreten beider Mannschaften „leicht“ unterschiedlich, die abgerufene Leistung beim Familientag allerdings nicht. Ob Thomas Sabo oder Stoffel, Riese oder Anfänger: Das Duell zwischen Franken und Niederbayern hat bewiesen, dass auch Produkte aus dem Discounter an Markenwaren rankommen, diese stellenweise sogar übertreffen können.

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„Drew MacIntyre und sein Pfosten!“ [1. Drittel]

Schon in Bremerhaven hatte man das Gefühl, dass nicht alle Spieler wissen, wo die Mitspieler stehen und fahren. Auch in den ersten Minuten war sich Patrick Köppchen nicht sicher, ob Taylor Aronson sein Freund oder sein Feind ist. Drei Mal innerhalb eines Wechsels kollidierten die Beiden. Neben dem ein oder anderen Crash befanden sich alle vier Sturmreihen nahezu immer im Drittel der Gäste, obwohl die Hauptschiedsrichter Mark Iwert und Gordon Schuckies bis dato nicht einmal ins Spiel eingegriffen hatten. „Hinlangen“ musste dafür Drew MacIntyre, der weit mehr als 70 Schüsse in 65 Minuten parieren musste. In der 16. Spielminute war MacIntyre dann auch überwunden, nur zeigte sich der rechte Pfosten mit dem Treffer von Petr Pohl zum 1:0 weniger einverstanden und verschob den ersten Jubel um 4:32 Minuten nach Hinten. Und ja, neben MacIntyre waren im Übrigen auch noch ein paar weitere Gegenspieler auf dem Eis, die beinahe einen Blue – Line – Fehler von Tom Gilbert ausnutzten – aber auch nur beinahe.

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Apropos Tom Gilbert: Während des Deutschland Cups war Gilbert definitiv einer der schlechtesten Spieler des Turniers. Bei fast allen Gegentreffern stand Gilbert auf dem Eis. Er hat auch nach dem 22. Spiel bei Weitem nicht die Qualität und Spielweise, die man sich von ihm wünscht. Dennoch hat er es in die Top Performer – Liste geschafft: Mit 12 Schüssen hat er im Spiel gegen Straubing die meisten Schüsse abgefeuert und, anders als beim Deutschland Cup, weder assistiert – noch getroffen.

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„Schnäppchen – Dupuis!“ [2. Drittel]

Philippe Dupuis ist wahrlich ein Schnäppchen: 1.091,00 Euro kostet einer der momentan besten Spieler auf dem Markt. Für die Leistung, die Dupuis in dieser Saison unermüdlich aufs Eis bringt, wäre es keine Überraschung gewesen, wenn sein Trikot das Teuerste gewesen wäre. Er brauchte nicht lange, um den 6137 Zuschauern zu zeigen, dass sein Hunger noch nicht gestillt ist. Gut, zugegeben: Als Dupuis sein Tor machte, fehlten sicherlich 20% – 25% der Anwesenden, aber was soll’s! Ab dem Zeitpunkt an waren die Ice Tigers die bestimmende Mannschaft und hätten problemlos um ein paar Tore erhöhen können. Dann aber kam die Reihe mit Patrick Reimer und Yasin Ehliz in Schwierigkeiten. Auch John Mitchell, der für den ausgefallenen Steven Reinprecht in der ersten Reihe aufgestellt war, konnte nichts daran ändern, dass eine Straubinger Sturmreihe nach der Anderen die Druckschraube immer ein bisschen weiter zuschraubte. Bis der Puck dann, wie auch sonst, hinter Andy Jenike im Netz landete. Dylan Yeo stand dabei komplett frei vorm Slot, probierte es mit Ruhe und Gemütlichkeit und traf perfekt zum 1:1.

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Starke Paraden von Andy Jenike! [Foto: Thomas Hahn]

Zu viel Gemütlichkeit verspürten auch die nachfolgenden Formationen der Ice Tigers, die nicht über die eigene blaue Linie kamen und fahrlässig mit dem Gleichstand umgingen, der sich (zum Glück) nicht veränderte. Straubing war in dem Moment einfach nicht effizient – Andy Jenike auch ein paar Paraden zu gut.

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Auffallend war vor allem die vierte Reihe, in der Patrick Buzas zusammen mit Marcus Weber und Marco Pfleger klar kommen musste. Patrick Buzas verlor bei 100% der Zweikämpfe den Puck, checkte zur falschen Zeit (und damit größtenteils sich selbst) und konnte (leider) keinen Puck gewinnen. Die Baustelle „Vierte Reihe“ sollte schnell in Angriff genommen werden, bevor in den Play Offs erneut die Kräfte ausgehen. Nicht zu vernachlässigen ist das Fehlen von Leo Pföderl, was aber nichts an der schwächeren Leistung von Buzas ändert.

„Wann sind wir endlich da?“ [3 Drittel]

Wer würde den Turbo zünden, aufs Gaspedal drücken, die letzten Körner verballern? Niemand. Weder die Marken – Tigers, noch die Straubing Tigers gaben sichtbar Vollgas. Vor allem der Mannschaft von Rob Wilson fehlte es an Präzision, Konzentration und Kraft. So gab es in den letzten zwanzig Minuten auch kaum nennenswerte Situationen, bis auf die letzten drei Minuten, in denen das Spiel auf ein Mal doch noch Fahrt aufnahm. Auch hier sollten sich die Kollegen von Andy Jenike mehrmals bei ihm bedanken, dass es den Straubingern nicht gelungen ist, den Führungstreffer zu erzielen.

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Vollgas in 3:35 Minuten: Das dritte Drittel in Kurzform! [Foto: Thomas Hahn]
„Let’s go Tigers?“ [Overtime]

„Oh man, Papa, wann können wir denn endlich unsere Kuscheltiere auf das Eis werfen. Wieso spielen die denn da nochmal?“. Ja, so ähnlich war das Interesse der 6000 Zuschauer auf die Eisfläche und das Spielgeschehen gerichtet. Das hatte aber mehr als nur 60 Minuten zu bieten: Die Ice Tigers übernahmen in der Overtime die Spielführung, die Disziplin der Straubinger den Rest. Heikel wurde es in der letzten Overtime – Spielminute, in der Maurice Edwards und Michael Zalewski auf der Strafbank platznehmen mussten und der Heimmannschaft eine doppelte Überzahl ermöglichten. Das in letzter Zeit schlechte Nürnberger Power Play war in doppelter Form auch nicht besser, so dass es ins Penalty Schießen ging. Ein starker Andreas Jenike im Tor und ein Treffer von Patrick Reimer entschieden die Partie zu Gunsten der Ice Tigers. 

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Die zwei Punkte waren verdient. Es hätte sich aber auch keiner ärgern dürfen, wenn Straubing den zweiten Punkt mit nach Hause genommen hätte. Aber auch das hätte nichts daran geändert, dass Straubing die rote Laterne weiter von Stadt zu Stadt tragen wird.

Da die Fans der Augsburger Panther am Freitag (Augsburg 7:4 Köln) aus dem Kölner Dom doch nicht „das größte Puff der Welt“ gemacht haben, boten die Haie dem amtierenden Meister zu Beginn des Duells die Stirn. Am Ende übernehmen die Red Bulls aber den ersten Platz von den Ice Tigers, weshalb es nächsten Sonntag (bei „Volle Hütte gegen Red Bulls“) höchstwahrscheinlich um die Tabellenführung gehen wird.

Und bis dahin: Ich liebe Adler Mannheim! 

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