„Die Meisterschaft, ein böses Wort!“

Die Meisterschaft ist feminin, trennt sich mit drei Silben und darf eine Reihe von Synonymen für sich beanspruchen: BravourBrillanzKönnerschaftmeisterhaftes KönnenPerfektion oder auch Vollkommenheit. Meisterhaftes Können hat die Mannschaft aus dem Land der Lebkuchen bereits eindrucksvoll bewiesen. Kommentatoren, Reporter und Experten betitelten die THOMAS SABO Ice Tigers als bestes Team in Deutschland. Es hätte noch gefehlt, dass drei bis vier Spieler in Interviews immer wieder darauf hingewiesen hätten, wie gerne sie den Titel nach Nürnberg bringen möchten. Damit hat man sich in dieser, nicht mehr frischen, Saison vornehm zurückgehalten. Dabei stehen die Anzeichen besser, als im vergangenen Jahr. Bis auf diese Woche, in der zwei Spiele kamen, die alles andere als meisterhaft waren: Ein 4:0 bei den Iserlohn Roosters und eine 4:5 Niederlage im Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings. Meister werden möchten alle vierzehn Mannschaften. Das es für Krefeld etwas schwerer werden könnte, ist klar, der Wille ist aber bei allen vorhanden. Nur haben nicht alle Mannschaften das beste Duo im Tor, die beste Defensive vor dem Tor und treffsichere Stürmer in der Offensive. Das ist der Mix, den alle haben möchten und den optimalen Mixer hat man diese Saison nicht in München, nicht in Mannheim und auch nicht in Köln eingeschaltet. Es ist angezählt, der Countdown steht bei 24 Spielen bis zu der alles entscheidenden Frage: Hat Nürnberg Bravour, Brillanz, Könnerschaft und Vollkommenheit?  Vierundzwanzig Türchen stehen noch vor uns, bevor wir erfahren, ob wir eine Weltreise oder eine Woche Toskana im Sommer buchen. Und wie Jochen Reimer an dieser Stelle sagen würde: „Wir müssen uns nichts vormachen, wir möchten Meister werden“.

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Dann mal alle Fakten auf dem Tisch: Der November war nicht ganz so meisterhaft. Zwar hat man die Ehre des amtierenden Meisters aus München beschmutzt und zum sechsten Mal die Mannschaft von Don Jackson besiegt. Viel mehr passierte aber nicht. Das spiegelte sich auch im ersten Drittel wieder, indem nicht nur die Abwehrreihen von Rob Wilson total überfordert waren. Der Sturm war, bis auf die Chance von Philippe Dupuis (18. Spielminute) und Nichlas Torp (10. Spielminute) quasi ohne Auftrag. Niklas Treutle hingegen hatte ein paar Aufträge zu viel, wirkte stellenweise auch etwas überfordert mit dem Elan der Augsburger Panther.

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Viele Schüsse und kaum Deckung: Niklas Treutle hatte im ersten Drittel fast alleine gegen die Panther zu kämpfen! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Übel nehmen kann man ihm das nicht. Immerhin schaffte es kaum ein Verteidiger, den Puck kontrolliert aus dem Drittel zu befördern. Außer: Marcus Weber. Weber spielte in dem Spiel aber nicht als Abwehrspieler. Der Fakt sollte als Bewertung der Leistung im ersten Drittel genügen. Beinahe nicht genügt haben zwei Treffer durch Matthew White und Trevor Parkes. Auch Gabriel Guentzel und (erneut) Trevor Parkes hätten problemlos auf 4:0 erhöhen können.

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Die Tragödie nahm im zweiten Drittel erstmal kein Ende. Der Fan Gesang „Immer wieder Augsburg“ nahm im Mittelabschnitt ganz andere Dimensionen und eine tatsächlich tiefere Bedeutung an. Immer wieder waren es die Panther, die dem dritten Treffer gefährlich näher kamen. Bis Philippe Dupuis (endlich) hart arbeitete und den Puck auf Dane Fox brachte, der direkt im Slot abzog. Das Fox den Puck um mindestens fünfzig Zentimeter verfehlt, war allerdings nicht zu erwarten, zumal er normalerweise kein Spieler ist, der sich solche Patzer erlaubt – normalerweise. In Augsburg war am ersten Advent aber nichts normal: So kam auch nicht der Treffer zum 3:0, sondern der Anschluss. Milan Jurčina kam zwischen den Kreisen zum Puck, tankte sich durch die heimische Defensive und überwand Benjamin Meisner mit einem grandiosen Backhand Schuss. Das war er, der Spitzenreiter – Comeback – Moment. Doch das war noch nicht alles: Dane Fox überwand Ben Meisner kurze Zeit später, glücklich und zufällig zum 2:2 – Ausgleich. Die Nerven lagen blank und das nicht nur auf den Rängen. Auch die heimischen Spieler taten sich in den letzten Minuten des Drittels schwer, wieder Fuß zu fassen. Nürnberg hingegen hätte sogar noch in Führung gehen können, als Mister Scott Valentine und Thomas Holzmann unfreiwillig auf der Strafbank Platz nehmen mussten. 

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Zwei Treffer, Comeback perfekt? [Foto: Birgit Eiblmaier]

Die beiden Hauptschiedsrichter Lasse Kopitz und Mark Lemelin machten sich weder auf Augsburger, noch auf Nürnberger Seite Freunde. Fast schon im Wechselgesang beschwerte sich das auswärtige Trainergespann mit der gesamten Augsburger Bank über Fehlentscheidungen und Entscheidungen. Tatsachenentscheidung hin oder her: Das Foul an Brett Festerling hätte mit einer Spieldauer geahndet werden müssen, wurde es aber nicht.

Roman Horlamus (Liveticker, Thomas Sabo Ice Tigers): „Brett Festerling wird von Thomas Holzmann mit dem Kopf voraus in die Bande gecheckt und bleibt fast regungslos liegen. Zwei Minuten für einen Bandencheck mit Verletzungsfolge? Das muss man nicht verstehen.“ 

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Thomas Sabo hatte es sich neben dem Sportdirektor (Martin Jiranek) im T – Block des Curt Frenzel Stadions bequem gemacht, bevor es in die finalen zwanzig Minuten ging. Gekonnt setzte er den bekannten kritischen Blick auf, den er aber nur 78 Sekunden nach dem Anspiel wieder verwerfen musste: Leo Pföderl kam nach Zuspiel von Patrick Reimer (und Niklas Treutle) zum Treffer und stellte den Spielstand auf 2:3. Ein bisschen Freude muss sein, ernst bleiben darf man aber dann bitte dennoch: Thomas Sabo war zurück in seiner Rolle als Beobachter und wusste, wie alle anderen 4100 Anwesenden, dass die 18 verbleibenden Minuten sehr hart werden würden. Brandon Segal und Tom Gilbert machten es noch ein bisschen komplizierter als sie in der 50. und 55. Spielminute auf die Strafbank mussten. Ein bisschen viel Glück und Niklas Treutle brachten die Führung über die Zeit und damit auch drei Punkte nach Nürnberg. Damit hatte nach dem ersten Drittel wohl kaum einer gerechnet.

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Der Siegtorschütze: Leo Pföderl! [Foto: Bianca Ebenhöch]

Vor allem die Zuschauer in Block G, die Gott sei Dank ein paar Hundert Meter von Thomas Sabo entfernt waren, kamen nicht wirklich souverän damit zurecht, dass der AEV erneut ohne Punkte vom Eis ging. So mussten sich Patrick Köppchen, Brandon Segal und Milan Jurcina im Wechsel anhören, wie böse und blöd sie doch waren. Als man sich dann aber darauf geeinigt hatte, dass Marco Pfleger der „noch am meisten sympathische“ aus den Nürnberger Reihen war, gaben die Herren dann doch Ruhe.

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Besonders hervorgehoben hat sich erneut der Stürmer – Verteidiger Marcus Weber, der erneut bewiesen hat, wie vielfältig er eingesetzt werden kann. Ob es seine helfenden Aktionen im ersten Drittel waren, oder die gesunde Aggressivität, die er in den nachfolgenden Dritteln an den Tag legte: Weber hat sich, auch im Hinblick auf die vergangenen Spiele, seinen Platz unter den zwei Stars redlich verdient.

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Seit Wochen hart am Arbeiten: Marcus Weber! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Zwei deshalb, weil hier noch ein Spieler fehlt, der im November total bedeutungslos erschien: Nichlas Torp. Auch wenn man einen Kader gebaut hat, der momentan einen Überschuss an ausländischen Spielern hat, kann man einen so guten Verteidiger nicht über zehn Spiele auf der Tribüne abstellen. Dafür, dass man Torp aus der Notlage heraus, aus einer verstaubten Schublade geholt hat, zeigte er in einigen Wechseln, dass man ihn vielleicht doch noch einsetzen sollte, solange man die Möglichkeit dazu hat.

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Das Spiel hätte anders enden können und aus der Sicht der Panther auch anders enden müssen: Am Ende sammelte sich Nürnberg wieder einigermaßen und rief stellenweise akzeptable Leistungen ab. Das Wichtigste sind drei Punkte, die man über die Zeit gerettet hat. Einfacher wird es in Zukunft nicht: Am Freitagabend wartet das Spiel in Wolfsburg, bevor es zu den Kölner Haien geht. Wenn die Mannschaft wieder die Tabellenführung zurück erobern möchte, müssen volle sechs Punkte her.

Und bis dahin: Nur noch 24! 

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Hinweis: Der nächste Blog erscheint am Montag, den 11. Dezember 2017 nach dem Auswärtsspiel bei den Kölner Haien und befasst sich auch mit dem vorhergehenden Auswärtsspiel in Wolfsburg. Ein Interview aus Wolfsburg wird es dennoch geben. Dieses ist am nächsten Tag im Nürnberger Rundfunk zu hören, sowie auf Facebook einsehbar.

 

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