„Eugen Alanov verleiht Flüüüüüüügel!“

Er möchte sich seine Minuten auf dem Eis erkämpfen und verdienen. Er möchte alles versuchen, um einen Platz in der Mannschaft zu finden und zu bekommen. Das hat Eugen Alanov vor der Saison über den Wechsel nach Nürnberg gesagt. Nach 18 Spielen im Trikot des Anwärters auf die Meisterschaft steht er beim Warm Up auf der Eisfläche des EHC Red Bull München. Gewohnt ruhig dreht er seine Kreise, macht seine durchschnittlichen vier Schritte vom Tor zum Bullypunkt und lächelt vor sich hin. Wenn es zum Takt der Rock Antenne Band passt, macht er auch mal fünf Schritte. Ein Blick auf den Videowürfel. Es sind noch 35 Minuten bis zum Bully. Noch ein Blick um sich zu vergewissern, dass es wirklich nur noch 15 Minuten sind, in denen er seine Kreise drehen wird. Ein dritter Blick muss bei der zweiten Umrundung dann auch noch drin sein. Sicher ist sicher. Sicher ist auch, dass Alanov zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass er zu den besten Spielern des Spiels gehören wird. Keine Stunde später erzielte er sein erstes Tor in der Deutschen Eishockey Liga in einem fabelhaften Alleingang und führte mit seiner vierten Reihe das Spiel der Franken an. Immer wieder gewann er Zweikämpfe, passte über das halbe Feld zu seinen Mitspielern im Sturm. Er blieb standhaft, als Steve Pinizotto und Mats Christensen mit hohem Tempo ankamen und versuchten, Alanov mit der Bande zu binden. Gekrönt vom zweiten Treffer, der seine Mannschaft zurück ins Spiel brachte, machte Eugen Alanov sein Spiel der Saison. Da ist es angebracht, Folgendes zu erwähnen: Alanov hat zwei Tore, zwei Assists und mehr als 15% Schusseffizienz! Was will man mehr von ihm erwarten? Er hat hart gearbeitet und vor einem ausverkauftem jubelndem Gästeblock gleich zwei Mal die Belohnung dafür bekommen: Evgeniy Alanov Окрыляет! 

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München war von Beginn an die bestimmende Mannschaft. Ausschlaggebend dafür waren mit Sicherheit die Strafen von Philippe Dupuis und Oliver Mebus. Dennoch versuchten die Gäste mit allen Mitteln auf einer Wellelänge zu bleiben. Dane Fox zum Beispiel zeigte sich auffallend aktiv. Zumindest auf der Spielerbank überrollte er seine Gegenspieler mit durchschnittlich vier Wörtern. Keiner der Red Bulls kam an ihm vorbei gefahren, ohne dass er sich ein Kommentar abholte. Viel brachte es aber erstmal nicht: Eine Sekunde vor Schluss des doppelten PowerPlays schlugen sie dann zu. Die Red Bulls kombinierten grandios in der offensiven Zone. Yannic Seidenberg und Jason Jaffray spielten den Münchner Kapitän Michael Wolf im Slot frei, der ohne Vorarbeit abzog und unkompliziert zum 1:0 traf.

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Andy Jenike unter Dauerbeschuss: Dominanter Start der Red Bulls! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Genau diese Leichtigkeit fehlte den IceTigers in den vergangenen Partien und war mitunter dafür verantwortlich, dass es am Freitagabend zum ersten Mal in fünf Wochen keine Punkte für die Mannschaft von Rob Wilson gab. Die offensive Qualität des deutschen Meisters war in den dreizehn Minuten schon fast zu deutlich zu erkennen. Nürnberg wartete ab und versuchte mit defensiven Stärken zu überzeugen. Das gelang vor allem dank der Hilfe von John Mitchell und Patrick Buzas relativ gut. Noch besser war aber die 15. Spielminute, in der Eugen Alanov zum Ausgleichstreffer kam, den er sich schon über die gesamte Saison über erarbeitet hat. Chapeau vor diesem Alleingang. Die IceTigers wirkten nach dem Ausgleich viel stärker und aktiver, setzten die Heimmannschaft in den finalen Minuten des ersten Drittels dann erstmals erkennbar unter Druck. Mehr passierte aber (zum Glück) nicht. Mit dem 1:1 kann man sich, angesichts des Spielverlaufs, zufrieden geben.

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Das PowerPlay, ein Sorgenkind von Rob Wilson und Mike Flanagan und das obwohl Mister Wilson immer wieder beteuert, dass es gar nicht so schlecht sei. Die Statistik beweist das Gegenteil. Ein wirklicher Vorteil ist das Überzahlspiel für Nürnberg nicht. Oft ist es ein Problem, den Puck überhaupt an der blauen Linie aufzuhalten oder zu Schüssen zu kommen. Gerade Mal fünfzehn Prozent und der 11. Platz verzieren das Special Team der IceTigers. Dafür funktioniert es in Unterzahl besonders gut (85% Erfolgsquote). Im Oberwiesenfeld earbeiteten sich David SteckelTaylor Aronson und Patrick Reimer aus dem Penalty Killing einen Chancenüberschuss und hätten das Spiel zu dem Zeitpunkt problemlos drehen können. Das übernahm aber der Stürmer, der die Überzahl überhaupt erst hervorgerufen hatte. Petr Pohl bekam einen grandiosen Pass von Eugen Alanov in den Slot und feuerte den Puck in Richtung Danny aus den Birken. Aus den Birken war überwunden, der Puck sprang aber noch von der Latte an den rechten Pfosten bevor er sich dazu entschied, die Torlinie zu überqueren.

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Chancenüberschuss im Mittelabschnitt! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Nürnberg führte mit 1:2 und war im zweiten Drittel deutlich besser als die Red Bulls, die ihre dominante Rolle abgaben. Mit einem Vorsprung ins letzte Drittel zu gehen wäre aber nicht spannend genug, zumindest was den Geschmack der IceTigers angeht. München kam aus dem Nichts zum Ausgleich, nachdem Andy Jenike den Puck abprallen ließ und Brooks Macek als Erster an den Puck kam. Der ausgeglichene Spielstand lag zu dem Zeitpunkt tatsächlich nur noch daran, dass die THOMAS SABO Ice Tigers erneut enorme Probleme hatten, die Chancen eiskalt auszunutzen.

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Es kann keiner verstehen und keiner erklären. Das Spiel hätte im Mittelabschnitt entschieden werden können. Stattdessen kommt München mit Glück durch Jon Matsumoto zum 3:2 Treffer und dreht den Spielverlauf auf den Kopf. Nur zwei Minuten später verwerteten die Red Bulls die zweite Chance im dritten Drittel zum zweiten Tor und drehten den Wind in Richtung Heimsieg. Alle fränkischen Fans, die sich noch nicht komplett von Tom Gilbert überzeugt haben, fühlten sich dabei sicher bestätigt. Gilbert traf den Puck aus der Luft nicht und übergab den Puck damit an Keith Aucoin, der den Schläger von Brooks Macek bediente. Das Spiel war für die meisten der anwesenden Zuschauer entschieden. Dane Fox sah das aber ein bisschen anders und forderte Jason Jaffray zum Tanz auf. Der nahm den Kampf relativ schnell an und kassierte erstmal. Fox schwächelte ein bisschen, gewann gegen Ende aber wieder an Überlegenheit. Fox’s erster Kampf in der Deutschen Eishockey Liga endete mit einem Untentschieden. Das ist aber völlig irrelevant. Viel wichtiger ist, dass sich die Mannschaft endlich mal gewehrt hat und ein Zeichen gesetzt hat. Dane Fox hat gezeigt, dass es auch ohne Brandon Prust einen Grund gibt, Nürnberg zu respektieren und das nicht nur wegen der hervorragenden Goalies und der starken Defensive. Gebt dem Mann seinen Platz im Trailer.

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Viele Anweisungen von Mike Flanagan in den finalen Minuten an seine Mannschaft. [Foto: Birgit Eiblmaier]

Im nachfolgendem Power Play passierte nichts. Die Überzahlformationen waren wieder ein Mal unterirdisch schlecht. Zumindest dann, wenn man die Chancenverwertung genauer betrachtet. Die Bewegung in der offensiven Zone war, im Vergleich zum vergangenen Heimspiel, deutlich besser und gefährlicher. Dafür mangelte es aber an Schüssen. Die Special Teams werden auch dieses Jahr wieder die Play Offs entscheiden. Sollten beide Mannschaften ins Finale kommen, hätte München momentan einen klaren Vorteil. Das Power Play funktioniert. Die Sturmreihen von Rob Wilson müssen den Schusswillen ins sich entfachen und konzentriert klare Chancen verwerten. Der vermisste Biss war in München wieder da, das Feuer brannte auch. Die Präzision aber fehlte.Trotzdem kamen die IceTigers zu einer vielversprechenden Schlussphase, nachdem Eugen Alanov mit seinem zweiten Tor auf 3:4 stellte. Auch als Andy Jenike aus dem Tor sprintete und den sechsten Feldspieler freistellte, blieb München standhaft. Null Punkte aus zwei Spielen.

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Andy JenikeUnhaltbares halten. Das Jenike das kann, hat er spätestens im dritten Drittels des Duells bewiesen. Aber auch schon im ersten Abschnitt war Andy Jenike der Hauptverantwortliche dafür, dass die IceTigers nicht schon mehr als 1:0 zurücklagen. Umso unverständlicher ist es, dass Jenike nicht für die olympischen Winterspiele nomminiert wurde. Niklas Treutle und er bilden momentan das beste Torhüterduo der Deutschen Eishockey Liga – keiner von Beiden darf mit zu den olympischen Winterspielen.

Patrick Buzas: Patrick Buzas kann keine Pucks gewinnen, verliert alle Zweikämpfe und bringt die vierte Reihe nicht weiter. Immer öfter hat man diese Meinungen in der Arena hören können und in Kommentarspalten lesen dürfen. Seit dem Heimspiel gegen die Augsburger Panther zeigt sich Buzas aber deutlich besser: Vor allem im ersten und dritten Drittel im Derby blockte er Unmengen an Schüssen, kämpfte stark in der Offensive und earbeitete sich selbständig Chancen. Auf diesem Kurs sollte Buzas bleiben und nicht vor den Play Offs aufgeben, kontinuierlich besser zu werden.

Eugen AlanovMan kann keine Lobeshymne und eine Liebeserklärung an Eugen Alanov verfassen, ohne diesen unfassbar talentierten Spieler in den „Stars in the rink“ zu erwähnen. Da im Intro und in den Drittelbeschreibungen schon alles gesagt wurde, bleibt hier nur ein oldschool – mäßiges „weiter so“!

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Eugen Alanovs Tor zum 1:1 – Das Beitragsbild des heutigen Blogs! [Foto: Birgit Eiblmaier]
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Das Resultat in München war denkbar knapp. Am Ende muss man aber realisieren, dass man in zwei Spielen nicht einen Punkt verbuchen konnte und damit womöglich München das Hauptrunden – Zepter übergeben hat. Der amtierende Meister hat nun schon fünf Punkte Vorsprung und steht mit beiden Beinen auf dem ersten Tabellenplatz. Für die IceTigers bedeutet die Situation nur, dass in den nächsten Spielen dringend gepunktet werden muss, um das erste Saisonziel schon vor den Play Offs zu sichern: Champions Hockey League 2018.

UND BIS DAHIN:

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