Am Ende haben wir es alle gewusst!

Das war also die Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga: Was haben wir die Spieler bejubelt, die Trainer gelobt und unsere Träume gelebt. Wir standen hinter dieser Mannschaft, die das Potential zum historischen Meistertitel hat. Wir waren uns sicher, auch europaweit auftreten zu können. Da haben wir aber noch nicht mit der Blamage in Ingolstadt gerechnet, die das Denken im Fan Lager (aus dem Nichts) komplett umdrehte: Was hat die Mannschaft von Rob Wilson da nur für eine unterirdisch schlechte Saison abgeliefert? Nur doppelt so viele Siege wie Niederlagen zeichnen die schockierende Bilanz des diesjährigen Titelfavoriten. Unverschämte 152 Tore kassierten die Kontrahenten, während satte 126 Tore hinter die Rücken von Niklas Treutle und Andreas Jenike einprasselten. Kein Wunder, dass Marco Sturm die zwei Nürnberger Torhüter nicht ein Mal zu den olympischen Winterspielen mitnahm, bei denen Deutschland ohnehin nur auf Grund der fehlenden NHL – Spieler Gold verlieren konnte. Tatsächlich ist es eine unakzeptable Frechheit, dass es nicht die direkte Qualifikation hat sein sollen. Am Ende wird sich an die Derby Niederlage aber niemand mehr erinnern können. Es ist im Endeffekt auch völlig irrelevant, ob Wolfsburg oder Mannheim unser Gegner im Viertelfinale wird. Denn wenn Patrick Reimer Ende April den Meisterpokal in die Höhe stemmt, haben wir es sowieso alle gewusst.

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Thomas Sabo hat nach dem Schock in Ingolstadt Mut gefasst und einen deutlichen 5:2 Sieg vorhergesagt. Weniger Mut hatte die vierjährige Leticia, die sich nicht aufs Eis traute, als das Bully Kind aufgerufen wurde. Obwohl Steven Reinprecht und Brett Festerling ihren Vaterinstinkt einschalteten und zu Hilfe eilten, blieb Leticia zumindest vom Spielbeginn nur eine Träne übrig. Dafür kamen die beiden Olympioniken Yasin Ehliz und Leo Pföderl in der ersten Minute zu zwei starken und vielversprechenden Chancen, scheiterten aber an Sebastian Vogl. Dafür besserten die Straubing Tigers wenige Minuten später fast ihre phänomenale Power Play Quote auf. Nichlas Torp war erst eine Sekunde auf dem Eis, da zog Colton Jobke von der blauen Linie ab und überwand Jenike, der absolut nichts gesehen haben kann, sauber in die rechte untere Ecke. Patrick Buzas ermöglichte den motivierten Gästen eine erneute Power Play Möglichkeit. Die wurde aber durch Kyle MacKinnon abgekürzt. Die IceTigers profitierten ganz klar vom größeren Platz auf dem Eis und erarbeiteten sich im 72 Sekunden langen Rest – Überzahlspiel beachtliche Chancen. Sebastian Vogl parierte den scharfen Schuss von Dane Fox mit dem aufgeklebten Tape am oberen Stockende. Auch der gefährlich abgefälschte Puck von David Steckel landete noch nicht im Tor. Dafür aber dann die geniale Kombination von Philippe Dupuis und Brandon Segal. Sebastian Vogl war nach 8 Minuten überwunden, die IceTigers zurück im Spiel um Platz zwei. Dagegen waren aber die Eisbären Berlin, die zu dem Zeitpunkt bereits 2:0 in Führung lagen. Stand 14:28 Uhr war der Viertelfinal – Gegner der IceTigers der alte Bekannte, die Grizzlys Wolfsburg.

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David Steckel wurde seiner Kapitän Rolle mehr als gerecht! [Foto: Thomas Hahn]

Besonders positiv herausgestochen sind David Steckel und Yasin Ehliz. David Steckel spielte sehr aktiv, erarbeitete sich Chancen und knallte drei Straubinger Spieler spürbar hart an die Bande. David Steckel erfüllte seine Rolle als Kapitän in jeder einzelne Sekunde überzeugend und optimal. Yasin Ehliz wiederum stach dank seiner hervorragenden Geschwindigkeit raus. Müde von Olympia ist er, zum Glück, nicht.

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Im zweiten Drittel wachte dann tatsächlich die komplette Mannschaft auf. Angeführt vom 2:1 – Führungstreffer durch Philippe Dupuis, der den Puck überragend in das rechte Kreuzeck tänzeln ließ, drückten die IceTigers Minute für Minute fester aufs Gaspedal. Die Straubing Tigers ertranken förmlich unter der Chancenwelle und waren ab der 23. Minute klar unterlegen. In der 24. Minute erhöhte Leo Pföderl, assistiert von seinem Olympia Kollegen Yasin Ehliz und Dane Fox, auf 3:1. Die Mannschaft von Rob Wilson war aber nicht zu bremsen. Die Kritik von Thomas Sabo und vielen Fans wollten sie scheinbar keinesfalls auf sich sitzen lassen. Im nachfolgenden Power Play prasselten neun (!) bombastische Schüsse aufs Straubinger Tor ein. Die IceTigers spielten sich in einen wahnsinnigen Rausch, der zwar nicht zum Torerfolg führte, Thomas Sabo aber euphorischen Applaus entlockte. Das Nürnberger Play Off Fieber war endgültig ausgebrochen – mit 40 Grad und vollem Karacho. Komplettiert wurde das perfekte zweite Drittel vom vierten Nürnberger Treffer: Dane Fox fischte den Puck aus der chaotischen Menge vor Sebastian Vogl und schickte die Scheibe glücklich zwischen die Schoner ins gegnerische Tor. Doch das war noch nicht alles: Auch John Mitchell hatte noch etwas zu bieten, tanzte die komplette Straubinger Defensive aus und schob zum genialen 5:1 Zwischenstand ein.

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Viel zu feiern: Die IceTigers führten zwischenzeitlich mit 5:1! [Foto: Thomas Hahn]

Straubing kam zwar zum 5:2 „Anschlusstreffer“, das änderte aber nichts daran, dass die IceTigers im zweiten Drittel endlich wieder die gewünschte Leistung gebracht haben. Der Play Off Gegner lautete, nach dem zweiten Drittel dann aber: (Ich liebe) Adler Mannheim!

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Im dritten Drittel stand neben wunderschönen Toren von Philippe Dupuis und Yasin Ehliz noch ein Thema im Raum: Wer wird der Gegner im Viertelfinale? Die IceTigers scheinen ein beliebter Gegner auf dem Markt zu sein. Gleich vier Mannschaften stritten sich zwischenzeitlich um eine Serie mit der Mannschaft von Rob Wilson. Am kürzesten an der Reihe waren die Iserlohn Roosters, die ihre Teilnahme doch recht schnell an die Grizzlys Wolfsburg abgaben. Aber auch die Grizzlys Wolfsburg wollten im Viertelfinale am Ende nicht gegen Nürnberg spielen. Das wäre auch total out und gegen jegliche Traditionen gewesen. Pavel Gross und sein Team warten da lieber auf das Halbfinale. Dann sollten es eben die Adler Mannheim werden. Da waren sich nahezu alle Pressevertreter und auch Eugen Alanov sicher, der nachdem Spiel ganz genau wusste, welche Schlacht sich die potentiellen Gegner geliefert hatten. Die Augsburger Panther aber hatten etwas dagegen und verloren gegen Mannheim im Penalty Schießen. Am Ende waren es – die Kölner Haie. Eine Mannschaft, die das gesamte Spiel über kaum jemand auf dem Schirm hatte. Die Kölner wohl genauso wenig. Kurz nach der Bekanntgabe des Gegners wurde klar: Am Freitagabend findet kein Eishockey in der Lanxess Arena statt. Martin Rütter klärt 18.000 Rheinländer über Hunde auf. Die entbrannte Panik und das unüberschaubare Chaos in den sozialen Medien wurde dann nach einer Stunde endgültig aufgelöst. Es bleibt alles so, wie es ist: Die IceTigers spielen das erste Heimspiel am Mittwoch, den 14. März – das Auswärtsspiel findet direkt am Folgetag am Donnerstag, den 15. März in Köln statt. Hätte ja keiner wissen können, dass auf ein Mal die Play Offs vor der Tür stehen.

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Steven Reinprecht und Co. müssen gegen Köln ran! [Foto: Thomas Hahn]

Donnerstag, Freitag, Mannheim oder Köln – im Endeffekt ist das völlig egal. Wenn die THOMAS SABO Ice Tigers ab dem ersten Spiel die bekannte Konzentration aus der ersten Hälfte der Saison aufs Eis bringen und konzentriert zusammenstehen, ist die Serie in sechs Spielen beendet. Ein siebtes Spiel gibt es erst dann, wenn Wolfsburg oder München im Kampf um die Meisterschaft im Weg stehen.

Und bis dahin: Einen Kalender müsste man haben!  

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Beitragsbild: Thomas Hahn

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