Schickt die fette Lady nach Köln!

[Beitrags – Bild: Thomas Hahn / Blog – Bilder: Birgit Eiblmaier]

Da sind wir wieder. Die THOMAS SABO Ice Tigers sind zurück im Kampf um den Einzug ins Halbfinale. Ob es an den Glückwünschen von Brandon Prust und Colten Teubert liegt, oder es dann doch Culcha Candela waren, kann ich nicht beurteilen. Da dieser Blog genauso lang und extrem wird, wie das zweite Viertelfinalspiel in der Lanxess Arena, fasse ich mich jedoch kurz: Ich habe (wie viele Fans und Beobachter der IceTigers) nicht an den Ausgleich geglaubt und war mir nach dem 2:0 von Blair Jones relativ sicher, dass wir am Sonntag mit dem Rücken zur Wand spielen werden. Spielen wir aber nicht. Wir werden um die Führung in dieser jetzt schon wahnsinnigen Serie spielen. Und das nur, weil die Kerze in den Nürnberger Spielern nach der 20. Spielminute zum Feuer wurde. Ein Feuer, dass Köln erstmal löschen muss….! Köln wird aber hoffentlich schon bald ganz andere Probleme haben, als das Nürnberger Play Off Feuer. Wir nehmen die fette Lady nämlich nicht mit nach Nürnberg zurück. Der Lady gefällt es, laut internen Informationen, in der Domstadt. Sie bleibt in Köln und singt vielleicht schon bald am Rheinufer.

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Ich lasse nie mehr Sebastian Uvira alleine vor dem Tor stehen. Ich lasse nie mehr Sebastian Uvira alleine vor dem Tor stehen. Ich lasse nie mehr Sebastian Uvira alleine vor dem Tor stehen. Das müssten alle Nürnberger Abwehrspieler mindestens tausend Mal auf ein Blatt Papier schreiben, um zu verstehen, dass Sebastian Uvira der wohl beste Hai auf dem Eis ist. Und das nicht nur wegen seiner Zähne, sondern auch wegen seiner unglaublichen Spielübersicht und Gefährlichkeit, die in jedem seiner Schüsse steckt. Die Mannschaft von Rob Wilson ist tatsächlich überraschend stark in die ersten drei Minuten des zweiten Spiels gegangen. Auch das erste Überzahlspiel sah vielversprechend aus. Es mangelte aber erneut an der Chancenverwertung. Anders machten es die Kölner Haie. Sebastian Uvira (wer auch sonst) brachte den Puck aus einer etwas chaotischen Situation über die Linie und die Kölner Fans zum jubeln. Wenige Minuten später traf Patrick Reimer den Pfosten (was auch sonst) und verlor im Anschluss den Puck an der blauen Linie. Ben Hanowski und Blair Jones sprinteten auf Niklas Treutle zu, Jones überwand Niklas mit einem nahezu unhaltbaren Monsterschuss. Bei den Franken lief (schon) wieder überhaupt nichts. Die Pässe kamen nicht an, die Beine waren scheinbar schwer. Anders kann man sich die langsame Spielweise im ersten Drittel nicht erklären. Es fehlte an Aggresivität, Motivation und Leidenschaft. Ohne Leidenschaft wird es in keiner Play Off Serie funktionieren. Man sollte aber Leidenschaft auch nicht mit dummen Aktionen verbinden. Dane Fox hämmerte seinen Schläger fünf Mal im Drittel sinnlos auf die Schläger seiner Gegenspieler und kassierte fast eine Strafe, die an Unnötigkeit nicht mehr zu überbieten gewesen wäre. Anders als Dane Fox aggierten Steven ReinprechtJohn Mitchell und Marcus Weber. Alle drei Spieler waren aktiv – hellwach und vor allem motiviert, wenn es darum ging, den Kölnern die Stirn zu bieten. Mitchell belohnte sich dann (zum Glück) auch mit dem 2:1 Anschlusstreffer, bei dem ich persönlich aber wieder Sorgen machen musste, ob Mitchell überhaupt noch bis zur Schlussirene des Spiels bei Gustaf Wesslau ankommt.

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Zu wenig Aggressivität, zu viel Aggressivität? Angst vor sinnlosen Fouls? Rob Wilson und seine Mannschaft haben bislang die Härte vermissen lassen! [Foto: Thomas Hahn]

Zum zweiten Mal: „Shit happened“. Es war nur ein 2:1. Es war nur ein Tor und es waren immer noch 40 Minuten bis zum Schluss des zweiten Spiels in einer Serie, die alles andere als einfach werden wird. Dennoch konnte man etwas Positives aus dem ersten Drittel ziehen: Rob Wilson hat endlich die Reihen so umgestellt, wie sie stehen sollten und wie es wahrscheinlich auch funktionieren könnte. Und noch viel wichtiger hat man endlich Steven Reinprecht aufs Eis gelassen.

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Im Mittelabschnitt waren sie dann endlich da: DIE THOMAS SABO ICE TIGERS. Ab der ersten Minute des zweiten Drittels waren sie voll da, passten auf, verhinderten Fehler und spielten sich immer näher zum Ausgleich. Die Kölner Haie hatten sichtlich Probleme damit, dass es Nürnberg endlich gelungen ist, konstanten Druck aufzubauen und diesen Druck Stück für Stück besser zu machen. Zwei Mal hätte Patrick Reimer ausgleichen können, scheiterte aber an Gustaf Wesslau. Der Kapitän machte ein starkes Spiel, hat aber vielleicht ein bisschen zu viele Gedanken im Kopf. Wenn er das abstellt, kann er wieder zum Sniper werden. Aber wir haben nicht nur einen Olympioniken, der den Ausgleich im Spiel und den Ausgleich in der Serie wollte. Leo Pföderl kam zum Alleingang und überwand Wesslau grandios zum 2:2. Nach 87 Minuten und 57 Sekunden waren die Franken endlich voll in der Serie angekommen und bauten sich immer mehr auf. Sie wurden eins, sie verschmolzen. Ja – es war einfach unfassbar mutmachend, die IceTigers so spielen zu sehen. Die Laune am Zuschauen nahm auch das aus dem Nichts kommende Power Play der Hausherren nicht. Die Defensive der IceTigers war nahezu perfekt. Die Haie kamen nur zu wenigen gefährlichen Schüssen. Das änderte sich aber schlagartig in den finalen fünf Minuten des Mittelabschnitts. Nürnberg kam irgendwie nicht mehr aus dem eigenen Drittel, die Haie brachten die komplette Lanxess Arena zum Aufstehen und schlossen die IceTigers für satte drei Wechsel komplett ein. Mit ein bisschen Glück, Ruhe und Gemütlichkeit überstand Nürnberg diesen dramatischen Spielabschnitt und damit auch das komplette zweite Drittel ohne Gegentreffer: 2:2. Alles drin. Alles möglich.

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Die Ice Tigers waren endlich in den Play Offs angekommen! [Foto: Thomas Hahn]

Neben Steven Reinprecht und John Mitchell dürfen wir einen nicht vergessen, der eher im Hintergrund arbeitet – dafür aber mit voller Power und unermüdlich: Brandon Segal machte alles. Er half vorne aus, er half hinten aus – er brachte den Puck aus dem eigenen Drittel und erarbeitete Bullys in der gegnerischen Zone. Brandon Segal war, ohne Frage, in den Play Offs angekommen und gab alles für den Sieg.

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Das dritte Drittel war ein wahrliches Taktik Festspiel. Beide Mannschaften hätten das entscheidende Tor machen können. Vor allem Nürnberg hätte treffen können und Patrick Reimer sogar treffen müssen. Am Ende hat es aber (zumindest im dritten Drittel) nicht sein sollen. Bemerkenswert war aber die Aufstellung, die Rob Wilson aufs Eis schickte. Drei Spieler blieben immer hinten, um Konter oder schnelle Angriffe zu vermeiden. Dadurch kam es zu minutenlangen Passagen, in denen sich das Spiel de facto nur im Mitteldrittel abspielen konnte. An dieser Stelle ziehe ich alle meine Hüte vor beiden Trainern, die ihre Mannschaft optimal einstellten. Auch wenn die Gäste stellenweise tatsächlich besser und näher dran waren.

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Wesslau hält –  Pfosten rettet! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Interessant zu Beobachten war auch die vierte Reihe, die sich die komplette Partie über brutal schwer tat. Marius Möchel gab aber nie auf und erarbeitete sich mit Patrick Buzas und Eugen Alanov zumindest ein paar Möglichkeiten. Das beste Glied der vierten Reihe war, ganz klar, Eugen Alanov. Mit den möglichen Abgängen von Marius Möchel und Patrick Buzas nach der Saison sollte Alanov im neuen Jahr der Leader der vierten Reihe werden.

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In der Overtime war es dann wirklich kaum auszuhalten. Tom Gilbert foulte total unnötig, während John Mitchell in letzter Sekunde mit dem Stockschlag rettete. Die Kölner Haie waren zwar ein Tick besser und schneller, verdient hatte es Nürnberg trotzdem, die Serie nach so einem Kampf auszugleichen. Und das gelang zum Glück auch. Leo Pföderl, wir wollen Dich alle heiraten!

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Am Ende verdient gewonnen! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Es ist also ausgeglichen in dieser bizarren Serie. Unsere Mannschaft zeigte im ersten Drittel des ersten Spiels und in zwei Dritteln und der Verlängerung des zweiten Spiels das Nürnberger Play Off Gesicht, dass in den kommenden Spiel sicher nicht wieder versteckt werden sollte. Ab dem dritten Drittel war alles nahezu perfekt: Die Härte war genau richtig, die Spielzüge bedacht und diszipliniert und die Schüsse schnell und unerwartet. Nur die Chancen Verwertung darf bis Sonntagnachmittag gerne besser werden. Denn dann können die Nürnberger Jungs erstmals die Führung in der Serie übernehmen und die fette Lady näher ans Rheinufer schieben.

Und bis dahin: Puck flach halten! 

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