Free Flanagan, hello Berlin!

[Titelbild: Birgit Eiblmaier / Beitrags – Fotos: Birgit Eiblmaier]

Es ist vollbracht: Die THOMAS SABO Ice Tigers stehen im Halbfinale der Play Offs und das obwohl viele Fans bereits nach dem ersten Spiel nicht mehr an ein Weiterkommen der Franken geglaubt hatten. Heute ist aber keine Zeit und auch kein Platz und es wäre auch überhaupt nicht angebracht, gegen die Einstellung der Fans zu schreiben oder sich über andere unnötige Dinge aufzuregen. Wichtig ist, dass es Nürnberg zum dritten Mal in Folge in das Halbfinale geschafft hat und dort nicht auf die Grizzlys Wolfsburg trifft. Die Eisbären Berlin sind ein tausend Mal angenehmer Gegner, der auch eine erfolgreiche Halbfinalserie verspricht. Soweit sind wir aber noch nicht, denn davor stehen noch vier Tage warten und den letzten Viertelfinalblog dieser Saison lesen auf der Liste.

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Die Bank der Franken sah im entscheidenden Viertelfinalspiel ein bisschen anders aus. Rechts neben Rob Wilson stapfte Martin Jiranek hinter den Rücken seiner Mannschaft vor sich hin und notierte sich in Windeseile alle Informationen zur Kölner Spielweise, die überhaupt nicht dem Spielfluss glich, den die Rheinländer in den ersten drei Spielen aufs Eis brachten. Der Grund für diese optische Neuheit auf der Bank ist eine Flasche, deren Inhalt bis heute nicht geklärt ist. Waren es 0.75 Liter, ein Liter oder doch 1.5 Liter? Um auf das Niveau der Kölner Presse [Express und Haimspiel] zu reagieren: Der Flaschen – Wurf Attentäter von den THOMAS SABO Ice Tigers hat einen Kölner Spieler abgeworfen. In Ordnung ist das nicht, ein Spiel Strafe ist für diese Aktion wahrscheinlich ein bisschen zu wenig. Mike Flanagan hatte aber bestimmt viel Spaß dabei. Und das ist doch das, was im Leben zählt. Geändert hat sich am Spiel der IceTigers übrigens absolut gar nichts. Die Mannschaft spielte weiterhin konzentriert, fokussiert und vor allem zielstrebig. So war es auch völlig verdient, dass Patrick Köppchen in der zwölften Spielminute das 0:1 schoss und die Kölner Haie ein bisschen aus dem Konzept brachte. Vor der Partie übrigens hat kaum ein Fan, den man auf den Ausgang dieses Spiels angesprochen hatte, an einen Heimsieg geglaubt. Umso optimistischer gestimmt stand die gesamte Lanxess Arena nach dem Gegentreffer auf und versuchte, die Haie nach vorne zu peitschen. Obwohl die Zuschauer des Öfteren ein Raunen durch die gut gefüllte Arena hallen ließen, musste Niklas Treutle eigentlich nicht eingreifen. Dafür war Gustaf Wesslau gefordert. Die IceTigers hätten im ersten Drittel sogar mit zwei Toren in Führung gehen müssen. Das Power Play verlief aber, wie so oft in dieser Serie, erfolglos und auch John Mitchell konnte seinen halben Alleingang nicht verwerten. Verdiente Führung, vierzig Minuten bis zum Halbfinale.

Torjubel Nuernberg gegen Koeln
0:1 nach dem ersten Drittel – Kurs: Halbfinale [Foto: Birgit Eiblmaier]

Besonders auffällig war im ersten Drittel die grandiose Leistung von Oliver Mebus, der den Puck mindestens fünf Mal in der offensiven Zone hielt und gleichzeitig dafür sorgte, dass die Pucks verteilt wurden. Leider musste er kurz vor Schluss des Drittels auf die Strafbank. Davon abgesehen war Oliver Mebus der beste Spieler auf dem Eis.

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Im zweiten Drittel nahm das Spiel dann wieder die Art an, die man in knappen Play Off Spielen erwartet. Erst vergaben  die Haie zwei unbeschreiblich gute Chancen auf den Ausgleich, dann hämmerte Yasin Ehliz den Puck zum 0:2 ins Kölner Gehäuse. Da in dieser Serie immer das Team gewonnen hat, dass die Zahl drei auf den Videowürfel bringt, mussten die Haie logischerweise den Anschlusstreffer machen. Sonst wäre das Spiel ja bereits nach der Hälfte entschieden. Sebastian Uviras Treffer war zwar einer der glücklichen Art, brachte aber wieder Leben in die Lanxess Arena und vor allem in die frustrierten Haie. Das Spiel war wieder spannend, auch wenn man es den beiden Hauptschiedsrichtern durchaus übelnehmen kann, dass zwei Stockstiche und ein hoher Ellbogen nicht geahndet wurden. Aber auch den Gästen wurde verziehen und das obwohl Christian Ehrhoff theatralisch den Kopf nach hinten warf und in der anstehenden Sommerpause durchaus Angebote aus Hollywood bekommen könnte. Aber seien wir mal ehrlich: Ein Nürnberger Spieler hätte das in dem Moment wahrscheinlich ziemlich sicher auch so gemacht. Viel wichtiger ist aber, dass die Schiedsrichter aus dem Nichts zwei Minuten für eine Aktion vergaben, die irgendwie nicht stattgefunden hat. So konnten die IceTigers in Überzahl agieren und das dritte und damit statistisch gesehen entscheidende Tor machen. Und – sie machten es. „War pure Absicht“, brüllte ein Haie Fan hinter meinem Rücken, während ich beim Jubeln überlegte, ob Bier wohl auch auf Presse Vertreter geschüttet wird. Halten wir fest, dass es an meinem unschlagbaren Charme lag, dass ich Trocken davon gekommen bin.

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Yasin Ehlizs Doppelpack stellt die Weichen auf Halbfinale! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Auch der Video Schiedsrichter konnte nichts daran ändern, dass die IceTigers nach dem zweiten Drittel mit 1:4 in Führung lagen und nur noch zwanzig Minuten bis zum Einzug ins Halbfinale verstreichen mussten. Zwanzig verdammt lange Minuten. Aber an dieser Stelle: BERLIN, BERLIN – WIR FAHREN NACH BERLIN.

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Wäre die Strafe von Brett Festerling nicht gewesen, hätten die IceTigers die ersten fünf Minuten im dritten Drittel ohne enorme Aufregung überstanden. So mussten sie aber Schüsse von Christian Ehrhoff blocken und eine Chance von Sebastian Uvira vereiteln, der beinahe zum Kontakttreffer gekommen wäre. 14:57 Minuten bis zur Eskalation. Die Kölner Haie versuchten in den nachfolgenden Minuten tatsächlich alles, was sie gegen die IceTigers noch aufs Eis bringen konnten. Aber auch nach elf Minuten blieben die Haie eher ungefährlich und die starken Torchancen auf Nürnberger Seite. Obwohl mich Roman Horlamus und Sebastian Böhm nach dem zweiten Drittel in meiner schon fast überschwänglichen Euphorie bremsten, freute ich mich spätestens 8:06 Minuten vor Schluss auf Berlin und mindestens zwei weitere Heimspiele. Obwohl die IceTigers in den finalen sieben Minuten noch mindestens zwei deutliche Torchancen hatten, blieb es bis zum Tor von Leo Pföderl beim famosen 1:4. Leo Pföderl, der Schlüsselspieler in dieser Serie und wahres Play Off Monster hat zu Recht das letzte Tor in dieser Serie geschossen und ich bin stolz ein Ice Tiger zu sein!

P.S.: Dass die Kölner Arena trotz dem Rückstand fünf Minuten vor Schluss nochmal alles gab, war einwandfrei und grandios. An dieser Stelle auch ein Danke für diese spannende, nervenaufreibende Serie. Trotz Flaschenwurf, Hallenstreit, Klatschpappen und vielen Pöbeleien sind wir (und das sollten wir uns alle hinter die Ohren schreiben, bis wir es nicht mehr sehen und hören können) am Ende der Serie wieder alle Eishockeyfans.

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Finale Anweisungen (r. Rob Wilson) [Foto: Birgit Eiblmaier]

Viel bleibt nach diesem Spiel nicht mehr zu sagen. Die Mannschaft hat den Einzug ins Halbfinale ohne Frage verdient und war spätestens ab dem zweiten Auswärtssieg in Köln die bessere Mannschaft. Und wie schon Niklas Treutle im Interview sagte: In Köln hat diese Mannschaft dieses Jahr noch nie verloren. Es bleibt zu hoffen, dass die Berliner Mercedes Benz Arena zumindest in den Halbfinalspielen genauso viel Erfolg mit sich bringt.

UND BIS DAHIN: YEAH BABY, YEAH BABY – YEAH! 

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1 Kommentar

  1. Wie immer klasse geschrieben. Und ich darf Dich beruhigen, ich habe vorhin nochmal die Spiele gegen die Eisbären auf der IceTigers-Homepage nachgelesen. Ich finde da 4 (in Klammern VIER!!!) Siege für die IceTigers. Ergo ist auch die Arena in Berlin für uns augenscheinlich ein gutes Eis.

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