Hupkonzert nach MC Chicken Minutes!

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Hupende Autos fahren durch Berlin und wahnsinnig euphorische (und doch sehr schräge) Fan Gesänge dröhnen durch die fünf Etagen des Parkhauses neben der Berliner Arena. Das Hupkonzert hielt ungelogen dramatische fünf Minuten an. Dramatisch deshalb weil es 75 % der Passanten brutal verwirrte. Da in diesem Blog lediglich Zahlen genannt werden, die statistisch belegt sind und wir hier weit über dem Niveau des Kölner Express liegen, ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer in anderen Sphären gelegen haben könnte. Anwesende waren mit absoluter Sicherheit verwirrt und wussten nicht, ob es sich um den zweiten Mauerfall oder um ein Verkehrschaos in der chronisch chaotischen Hauptstadt handelte. Andere wiederum spekulierten auf irre Manöver alkoholisierter Eisbären Fans im an diesem Abend viel zu vollem Parkhaus. Haben die Eisbären Berlin etwa die Meisterschaft gewonnen? Dominant, überzeugend und ohne auch nur einmal bei den 13.800 Zuschauern Zweifel aufkommen zu lassen? Nein. Die Eisbären Berlin haben nicht die Meisterschaft gewonnen und dennoch hatte man unmittelbar nach dem Spiel das Gefühl, dass zahlreiche Fans des beeindruckend effektiven Hauptstadtvereins die noch fehlenden sieben Siege dezent vergessen haben. Gegönnt sei es ihnen, verdient war der erste Sieg in dieser noch langen Serie ohne Frage. Am Ostermontag könnte die Mannschaft von Rob Wilson die Berliner dennoch vom Höhenflug in den Tiefenrausch spielen.

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Der Start ins erste Drittel stimmte optimistisch. Die Mannschaft startete aktiv und stärker in die Partie als die Heimmannschaft und gab in den ersten Spielminuten den Ton an. Leider zeichnete sich aber bereits in den ersten Spielminuten ab, dass es der Mannschaft wohl schwer fallen wird, die Chancen zu verwerten. Anders sah das bei den Eisbären aus. Die Berliner verwerteten bereits die erste vielversprechende Chance zum 1:0. Die Abwehr hätte in dieser Situation besser arbeiten müssen und war Frank Hördler gegenüber eindeutig zu nachlässig. Da konnte auch Niklas Treutle nichts machen, der trotz der vier kassierten Tore eine starke Partie machte und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch am Samstagnachmittag wieder im Tor stehen wird. Ab dem ersten Treffer agierte Berlin deutlich aktiver, die IceTigers schalteten auf eine eher distanzierte Spielweise. Die Hausherren führten die Aktionen aus, die Gäste reagierten. Im entscheidenden Moment des ersten Drittels reagierte der Kapitän Patrick Reimer aber etwas zu spät und schoss am leeren Tor vorbei. Das war die beste Chance zum Ausgleich im gesamten Spiel. Wäre es Reimer gelungen, in dieser Situation zu treffen, hätte das Spiel am Ende ganz anders ausgehen können.

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Es ist bislang nicht die Saison von Patrick Reimer. Er scheint auch nicht besonders zufrieden mit sich selbst zu sein. Solange es aber andere in der Mannschaft schaffen, Tore zu verwerten, bleibt das fehlende Scheiben Glück von Reimer nur ein Problem – kein Beinbruch.

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Als beide Mannschaften nach der ersten Drittelpause zurück auf die Eisfläche kamen, wurde ich von meinem Kollegen extrem verunsichert. Er gab mir den Hinweis, dass ich optische Ähnlichkeiten mit einem Mitglied der Männer in blauen Anzügen aufweisen würde. Mit den Männern in blauen Anzügen, von denen ich bei diesem Spiel ein bisschen enttäuscht war. Womöglich deshalb, weil ich Dane Fox nicht hasse und fest davon überzeugt bin, dass Patrick Reimer ein fantastischer Team Player ist. Die skurrilen blauen Männer waren an diesem Abend scheinbar noch nicht in Form. Das macht aber nichts. Dane Fox und Patrick Reimer waren beim ersten Spiel auch noch nicht in Form und mindestens einer der Beiden wird spätestens beim ersten Heimspiel die Form für das Halbfinale gefunden haben. Sollten die talentierten Herren mit den blauen Anzügen mitziehen und die eigene Form steigern, ist die Welt wieder in Ordnung. Die Berliner, die Yasin Ehliz in sozialen Medien öffentlich und schamlos Schatz nennen, dürften noch maximal sechs Mal Plakate malen und Dane Fox zusammen mit Patrick Reimer Tore erzielen. Tore erzielen war auch das Stichwort für den Mittelabschnitt in Berlin. Die Eisbären waren auch in dieser Phase des Spiels nicht besser und Dane Fox nicht ungefährlicher als sonst. Die Hauptstädter wussten lediglich, wie sie die Scheibe ins Tor bekommen. Das machten sie auch und das war der Unterschied zwischen Berlin und Nürnberg. Immerhin endete das erste Power Play im Spiel erfolgreich, auch wenn Yasin Ehliz den Puck eher glücklich zwischen den Schonern von Petri Vehanen über die Linie beförderte. Nach dem zweiten Drittel war es also immer noch nur das eine Tor Unterschied und so schmiedete Rob Wilson und seine Mannschaft in der zweiten Pause den optimalen Plan zum Ausgleich, während zwei Damen versuchten mit Dreirädern an einer gigantischen Giraffe auf Schlittschuhen eine halbe Runde auf dem Eis zu drehen und drei Männer in Eisbär – Kostümen ein wildfremdes Auto im Parkhaus sauber machten. Verrückt, diese Berliner.

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Die Mannschaft scheitert an der Verwertung etlicher Chancen im Mitteldrittel!  [Foto: Birgit Eiblmaier] 

Beide Mannschaften agierten schon fast zu vorsichtig, wenn es um Körperkontakt und hartes Spiel ging. Im ersten Drittel waren Checks oder das Austauschen von netten und höflichen Worten nahezu nicht zu sehen. Die Spieler gingen sich unfassbar schnell aus dem Weg, fokussierten sich nur auf das Spiel und zeigten kaum Interesse am härteren Einsteigen. Auch deshalb gab es im ersten Drittel und in der ersten Hälfte des Mittelabschnitts keine einzige Strafe. Für den Spielverlauf war diese Einstellung beider Teams möglicherweise etwas kontraproduktiv. Die Nürnberger Mannschaft schaffte es zwar, im zweiten Drittel härter zu spielen und Berlin damit ein bisschen mehr zu fordern, hörte damit aber zu Beginn des dritten Drittels leider sofort wieder auf. Bis auf ein paar Mal Schubsen und einer tatsächlich eher gesitteten Diskussion mit Patrick Reimer war nicht viel Gift und Krieg auf dem Eis zu sehen. Für alle Fans und Beobachter bleibt zu hoffen, dass sich zwischen den Spielern im Laufe der kommenden Spiele Liebesromanzen entwickeln und dadurch ein bisschen mehr Power in das Duell kommt.

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Eine Liebesromanze entwickelten die Franken mit der blauen Berliner Linie. Der Endboss schlug die Mannschaft entweder mit Hilfe eines Abseits, eines Berliner Schlägers oder muskulösen Oberkörpers. In den finalen zehn Minuten kamen nur Steven ReinprechtLeo Pföderl und Marcus Weber erkennbar über die blaue Linie und in den Slot. Die Schüsse, die dann aber beim Berliner Torhüter ankamen, waren einfach nicht gefährlich genug. Daraus hätte auch nach drei Stunden Spiel kein Tor entstehen können. Der in der Drittelpause geschmiedete Plan, der zum Ausgleich führen sollte, ist gescheitert. Die Hausherren schraubten den Spielstand im dritten Drittel (verdient aber etwas zu hoch) auf 5:1 und waren in Feierlaune. Vor allem die Tore von Louis – Marc Aubry (4:1) und Nicholas Petersen (5:1) waren Treffer besonderer Art. Diese beiden Treffer fielen nämlich in den finalen zwei McChicken Minuten. Auch wenn die Tore nicht gefallen wären oder die Eisbären einfach in den „letzten beiden Spielminuten des dritten Drittels“ zwei Tore gemacht hätten, wäre das Ergebnis das Gleiche gewesen. Ob Nürnberg nun mit 5:110:1 oder 1:0 verliert ist für die Serie bedeutungslos. Das ist Uwe Krupp bewusst, das ist der Nürnberger Mannschaft bewusst und das ist auch (fast) allen Zuschauern bewusst.

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(Noch) Nichts zu Holen! [Foto: Thomas Hahn]

Die Mannschaft muss im ersten Heimspiel dieser Serie deutlich mehr auf das Gaspedal drücken. Oliver Mebus bestätigte im Interview, dass in dieser Serie auch die Offensive entscheiden wird und es nicht nur ein Machtspiel der Abwehrreihen werden wird (wie im Viertelfinale). Schlecht war die erste Partie nicht. Die Eisbären Berlin waren aber läuferisch stärker, schneller und machten stellenweise einen fitteren Eindruck. Eine deutlich bessere Mannschaft sind die Eisbären aber nicht. Die Mannschaft wird mit Sicherheit aus der ersten Niederlage lernen und am Samstagnachmittag anders auftreten und mehr Tore verwerten können. Sollte das gelingen, steht dem Serien Ausgleich nichts im Weg. Einmal muss die Mannschaft von Rob Wilson aber in Berlin gewinnen. Das erledigen sie am Besten am Ostermontag.

Und bis dahin: Facebook ist kein Kummerkasten! 

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Zum krönenden Abschluss noch ein paar Impressionen vom Spiel von Birgit Eiblmaier und Thomas Hahn:

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2 Kommentare

  1. Sorry für die Kritik… aber das war die selbe Vorstellung wie gegen Köln in Spiel 1 … zu viele individuelle Fehler im Spiel … unnötige Strafzeiten … Fehlpässe und leichtfertige Puckverluste (teilweise sogar an der eigenen blauen Linie) … Jeder von uns weiß, dass wenn wir so Auftreten wie im vergangenen Spiel 6 gegen Köln …. hat Berlin nicht viel zu lachen … aber anscheinend brauchen wir immer erst eins in die Fresse bevor wir den Gegner an die Wand spielen können… also Mund abwischen und Samstag Berlin aus der Arena jagen mit einem konzentrierten typischen Nürnberger Spiel

  2. Grundsätzlich fand ich das Spiel nicht schlecht und wären wir nicht wieder an der Chancen verwertung gescheitert, wäre das Spiel anders verlaufen. Es ist nichts passiert und vielleicht brauchen wir das Spiel um uns den Gegner zurecht zu legen. War mit Köln nicht anders. Reimers Chance, Björkstrands Latte, Fox Pfosten , unzählige 2:1 Chancen. Es wird besser. Stimmung in der Arena fand nur bei Toren und der Führung ion dritten Drittel statt, ansonsten enttäuschend. Unser Block war top bis zum Schluss. Eine Korrektur gibt es zu deinem Block, es war ein free Milchshake kein McChicken 😉

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