Gegen Gummibären und Abseitsstellungen!

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Das Aufwärmen der Mannschaft sah schon fast zu harmonisch aus. Alle Spieler drehten fit und munter ihre Kreise und hatten im schlimmsten Fall alle zwei Runden ein breites Lächeln im Gesicht. Brandon Segal überprüfte mehrmals die Festigkeit von Patrick Reimers Hintern und trieb seinen Kapitän mit lauten Worten an. Der Hintern war fest. Soviel stand fest. Ob heute das Spiel gekommen war? Das Spiel, in dem Patrick Reimer seine Blockade lösen kann. Ich wusste es zu dem Zeitpunkt nicht. Patrick Reimer war aber schon fast fremd entspannt. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich darauf getippt, dass er im dritten Spiel zumindest ein Tor macht. Aber nicht nur Reimer war besonders optimistisch stimmend auf dem Eis unterwegs. Auch Dane Fox machte sich Freunde in Berlin und das obwohl er bei der vergangenen Serie als Hass Figur des Nürnberger Eishockeys von der Schlacht in Köln zurückgekehrt ist. Diesmal entdeckte er zwei kleine Mädchen an der Scheibe, schoss den Puck erst zwei Mal gegen die Scheibe und erschreckte die wahnsinnig faszinierten Eisbärinnen. Am Ende sprangen gleich zwei Pucks für Beide raus. Der Ostermontag war für die Beiden also schon vor der Partie zum wahrscheinlich besten Ostermontag gewesen, den sie jemals erlebt hatten (abgesehen vom obligatorischen Feuerwerk, das bei der Intro Show den letzten müden Fan aufweckte). Dane Fox, Patrick Reimer und zwei Mädchen waren dann schon mal glücklich gestellt. Der Rest sollte folgen. Dass dieser Blog existiert, ist übrigens das grandiose Werk von Sven Trautner und der wahrscheinlich  besten Fan Betreuung der Deutschen Eishockey Liga. Ohne die spontane Zugangsberechtigung in einen der vier gut gefüllten Busse, wäre ich wohl niemals in Berlin angekommen. Immerhin hätte die Deutsche Bahn ein Drittel meines Monatsgehalt für die Hinfahrt haben wollen – da beschwert sich nochmal einer über 25 Euro und 50 Cent für ein Stehplatz im Oberrang.

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Weite Pässen waren der Weg der Mannschaft, in die Berliner Zone zu kommen. Anders wäre es, zumindest im ersten Drittel, auch nicht gegangen. Bei allen Versuchen, den Spielaufbau mit Einbezug der neutralen Zone entstehen zu lassen, endete die Aktion mit einem Fehlpass. Dafür klappte das weite Spiel überraschend gut. Immer wieder kamen die Ice Tigers so hinter das Tor von Petri Vehanen. Von dort aus wurde an die blaue Linie gespielt, an der entweder Marcus Weber, Oliver Mebus oder John Mitchell standen. Neben Oliver Mebus, der im Moment einer der besten Verteidiger der Mannschaft ist, machte Weber hervorragende Arbeit. Immerhin brachte er 14.000 Menschen gleich viermal innerhalb von zwanzig Minuten dazu, ein Raunen durch die Mercedes – Benz Arena zu schicken. Viel fehlte nicht zum Torerfolg, den sich Weber für seine jüngsten Leistungen, ohne Frage, verdient hätte. Genauso aktiv agierte Patrick Reimer. Das Bild, dass er beim Warm Up abgab, hat also nicht getäuscht. Bevor er Leo Pföderl zum wichtigen Ausgleichstreffer im Power Play die Vorlage gab, hätte er selbst zu mindestens zwei Treffern kommen müssen. Treffen möchte er bislang aber nicht. Das spart er sich offenbar für die dritte Verlängerung im siebten Finalspiel gegen München auf. Übel nehmen können wir es Reimer dann nicht mehr. An dieser Stelle (erstmals im Spiel, leider aber nicht zum letzten Mal) den Schiedsrichtern etwas übel nehmen. Das erste Tor der Eisbären war aus einem deutlichen Abseits gefallen. Das Spiel entschieden hat dieser Fehler nicht. Nürnberg hätte so aber immerhin nach dem ersten Drittel geführt.

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Marcus Weber zeigt sich schon die gesamten Play Offs kämpferisch! [Foto: Thomas Hahn]

Bevor das traditionelle Hornbach Pausen Spiel wieder die Massen begeistern durfte, wurde es noch einmal laut in der ausverkauften Arena. Das war aber leider auch der einzige Moment, in dem im ersten Drittel Stimmung aufkam. Wäre die Akustik nicht so miserabel, wäre der volle Gästeblock im ersten Drittel als klarer Gewinner zu den Fress Ständen entlassen worden.

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Nach dem Mittelabschnitt in Berlin muss man sich, völlig zu Recht, fragen: Hat man so viel Inkompetenz schon mal auf dem Eis der Deutschen Eishockey Liga gesehen? Um die rhetorische Eingangsfrage klar und deutlich zu beantworten: Die Schiedsrichter der Deutschen Eishockey Liga sind momentan definitiv nicht in der Lage, ein Play Off Spiel fair und regelgerecht zu leiten. Hier mit einem Maulkorb und beruhigend zu schreiben wäre nicht angebracht, schon allein deshalb, weil es das erste Mal wäre, dass hier nicht offen mit Problemen umgegangen wird. Das Spiel hat ohne Zweifel unter den fatalen Entscheidungen der Hauptschiedsrichter gelitten. Marian Rohatsch und Gordon Schuckies verloren die Kontrolle über Dane Fox, vergaben Strafminuten für nicht existente Strafen und waren von oben bis unten verunsichert. Anstatt die Situationen unter den Mannschaften sportlich entscheiden zu lassen, hagelte es eine sinnlose Strafe nach der Anderen. Interessant ist an dieser Stelle bestimmt auch, dass Patrick Köppchen heftig im Gesicht verletzt wurde. Das rechte Auge konnte Köppchen nicht mehr aufmachen. Es glich eher einem blauen Knollen, als einem Auge. Die Schiedsrichter aber haben nichts gesehen. Das wäre ja auch zu schön gewesen. Stattdessen kassierte ein Berliner Spieler zwei Minuten dafür, dass Petr Pohl den Schiedsrichter gekonnt traurig anschaute und den Stock fallen ließ. Unfassbar. 

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Dane Fox schafft keinen Wechsel ohne sich mit Berliner Spielern in die Haare zu kriegen! [Foto: Thomas Hahn]

Allerdings darf man neben der schlechten und unverständlichen Leistung der Schiedsrichter nicht vergessen, dass der Nürnberger Start ins zweite Drittel schlecht war und die Mannschaft froh sein kann, dass es nach fünf gespielten Minuten nicht schon 5:1 für die Hausherren stand. Auf der anderen Seite darf man aber auch nicht vergessen, dass die Mannschaft vor allem in Unterzahl teils gigantische Möglichkeiten zum Ausgleich hatten. Alles in Allem war das das komischste Drittel dieser Serie und wird wahrscheinlich von keinem folgenden Drittel mehr getoppt werden können. Das 3:2 nach vierzig Minuten ging in Ordnung, entschieden war zu dem Zeitpunkt noch nichts.

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Entschieden hatten sich aber schon alle Anwesenden, was die Schiedsrichter betrifft: Was soll man da noch viel schreiben? Ich könnte hier die Leistung loben, welche die Mannschaft ohne Zweifel die vollen zwanzig Minuten im dritten Drittel aufs Eis gebracht hat. Belohnt von Yasin Ehlizs 3:3 im Power Play war die Mannschaft auf dem besten Weg zum ersten und besonders wichtigen Auswärtssieg. Doch was hat die grandiose Leistung der Mannschaft für diese Serie gebracht? Nichts. Eine tonnenschwere Null sprang am Ostermontag für die Mannschaft und die Fans raus.

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Ob das Tor von Patrick Reimer zum 3:4 aus einem Abseits entstanden ist, oder nicht, lasse ich an dieser Stelle unkommentiert. Denn schon das 1:0 ist aus einem Abseits gefallen und hätte nicht zählen dürfen. Dane Fox hat vier Minuten dafür bekommen, dass er sich zu Recht gegen Berlin und die Schiedsrichter zu wehren versucht. Wenn Berlin in diesem Spiel in unserer Rolle gewesen wäre, hätte die Deutsche Eishockey Liga unmittelbar nach der Partie eine Beschwerde auf dem Tisch liegen. In diesem Fall wird wahrscheinlich nichts passieren. Man möchte einen Mantel des Schweigens über die gesamten Ereignisse in der dritten Partie zwischen diesen beiden Mannschaften legen, die im Endeffekt qualitativ hohes Eishockey zeigen, aber durch Schiedsrichterentscheidungen vom guten, attraktiven Spiel abgehalten werden. Das ist eine Schande für das deutsche Eishockey, eine Schande für die Play Offs und unendlich traurig, dass es eine der besten Ligen in Europa nicht schafft, für faire Verhältnisse auf dem Eis zu sorgen. Die Mannschaft hätte dieses Spiel mit 4:3 oder 3:2 gewinnen müssen. Das Ergebnis ist aber ein anderes. Dieser Blog soll auch nicht die Leistung der Eisbären mindern, die bislang ebenfalls drei fantastische Spiele abgeliefert haben und ein würdiger, starker Gegner im Halbfinale sind und in den kommenden Spielen bleiben wird.

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Patrick Reimer im Abseits, oder doch nicht? [Foto: Thomas Hahn]

Am Ende steht also eine 4:3 Niederlage auf dem Videowürfel in der Berliner Arena, in der noch mindestens einmal in dieser Saison Eishockey gespielt wird. Sollte es der Mannschaft gelingen, am Mittwochabend erneut auszugleichen, wird es auch bei maximal zwei Spielen in Berlin bleiben. Danach wird man sehen, ob es gegen Mannheim oder München um den ersten Meistertitel für Nürnberg geht. Zu Wünschen wäre es dieser Mannschaft, diesen Trainern und der gesamten Organisation. Verdient haben es sich spätestens seit heute alle.

Und bis dahin: Kompetenz wird Groß geschrieben, Meinungsäußerung auch! 

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