F*ck off – dann eben Sieben!

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Die Sonne schien. In der Berliner Arena war ein Meer aus blauen Stühlen zu sehen, als beide Mannschaften zum Aufwärmen kamen. Man kann es den Berlinern nicht übelnehmen. Die Spree ist ohne Zweifel ein schöner Fluss. Am Ufer der Spree lassen sich zudem unfassbar schöne Fotos mit Eisbären Trikots und weiteren diversen Fanutensilien für soziale Netzwerke erschaffen. Ja, die Mehrheit der Fotos hatte tatsächlich Ähnlichkeiten mit Schnappschüssen aus dem Sommerurlaub. Die Fans übten demnach scheinbar schon Mal für die Zeit nach dem siebten Spiel, während die Spieler der Eisbären in kleineren Gruppen auf Fahrrädern an der Mauer vorbeifuhren und sich den Weg durch japanische Touristen und touristische Japaner zum Spielereingang der Arena bahnten. Berlin ist einfach eine verrückte Stadt. Nachdem ich in der S7 auf dem Weg zum Warschauer Platz zwei Berliner getroffen habe, die oberkörperfrei in Fellmäntel steckten und ihre dreizehn Brusthaare der Öffentlichkeit präsentierten, wusste ich aber, dass alle guten Dinge drei sind und dass ich diese Woche nicht mehr nach Berlin fahren möchte. Die Bedingung dafür war klar: Zwei Siege der Eisbären oder zwei Siege der IceTigers. Nachdem ich auf dem Weg von Nürnberg nach Berlin mit zwei besonders fachkundigen Fans sprechen durfte, war ich mir auch sicher, dass es in dieser Serie kein siebtes Spiel geben wird. Auch wenn Thomas Sabo es im Fernsehen prognostiziert hatte, wird er für das vorhergesagte siebte Spiel auf die Finalserie warten müssen. Am Ende des fünften Spiels sieht die Realität aber ein wenig anders aus. Nun bleibt zu hoffen, dass Thomas Sabo mit seiner Prognose Recht hatte. Und jetzt, ab ins erste Drittel!

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Vor dem Spiel hätte es unseren Stadionsprecher Christian Rupp gebraucht, der alle Anwesenden gefragt hätte, ob man bereit für das Spiel ist. Bereit waren scheinbar beide Mannschaften nicht. Es fehlte an Geschwindigkeit, Power und definitiv auch an Konzentration. Die Mannschaft von Rob Wilson schaffte es tatsächlich nur drei Mal vor das Berliner Tor. Patrick Buzas scheiterte mit seinem Rückhandschuss, Yasin Ehliz mit seinem halben Alleingang und Patrick Reimer mit seinem Rückhandschuss in Unterzahl. Mehr kam von den Gästen nicht. Die Eisbären hatten es ziemlich einfach, den Puck in der offensiven Zone zu halten und satte 23 Schüsse abzufeuern. Die gezählten sieben Nürnberger Schüsse wage ich zu bezweifeln. Petri Vehanen musste auch nur zwei Mal eingreifen, da der Schuss von Reimer über das Tor hinausging. Passend zum Spiel war mit der Zeit auch die Stimmung. Alles in Allem erinnerte das erste Drittel an das erste Testspiel in Südtirol. Bei Nürnberg wollte nichts funktionieren, die Pucks sprangen über die Schläger und ein Fehlpass jagte den Nächsten. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Puck hinter Niklas Treutle landet. Nach zwei gigantischen Chancen der Eisbären zog Mac Queen ab und traf.

Nuernbergs Pfoederl vor Berlins Richmond und Vehanen
Zäher Start von beiden Mannschaften! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Vor Treutle war wenig Verkehr, den Schuss hätte er möglicherweise sehen müssen. Schuld war er an dem Rückstand aber nicht. Die Abwehr war zu langsam, die Sturmreihen machtlos. Mein Kollege Michael Fischer schockte mich vor dem Berliner Tor mit der These, dass wir ein torloses Spiel und einen glücklichen Treffer am Ende der zweiten Overtime erleben werden. Zumindest die torlose Partie konnte nach der fünfzehnten Spielminute von der Liste gestrichen werden.

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Warum im ersten Drittel nahezu nichts gelingen wollte, ist schwer zu erklären. Beide Mannschaften standen aber unter einem enormen Druck. Rob Wilson und sein Trainergespann musste also in der Drittelpause ein Rezept finden, um die ungewohnte Nervosität abzustellen. Wären die IceTigers bei der Leistung aus dem ersten Drittel geblieben, hätte man den Matchball unnötig hergeschenkt.

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Thomas Sabo durfte sich freuen, bevor das fünfte Spiel überhaupt zu Ende war. Während Nürnberg das Spielgeschehen innerhalb der ersten fünf Minuten im Mittelabschnitt drehte, führte München in der Serie gegen Mannheim bereits mit 4:0. Die IceTigers standen so, um 20:34 Uhr, ziemlich sicher in der Champions Hockey League. Das erste Saisonziel war also erreicht. An dem zweiten, viel wichtigeren Ziel, arbeitete die Mannschaft nun deutlich besser, als im ersten Drittel. Die Berliner Abwehr war schon im vierten Spiel schlecht. Die Defensive der Eisbären war auch im ersten Drittel des fünften Spiels nicht besser. Aber erst im zweiten Drittel wurde Nürnberg aktiv und machte etwas aus der schlechten Leistung der Hausherren, die irgendwie so gar nicht bissig und gefährlich wirkten. Patrick Bjorkstrand schoss endlich sein erstes Tor im Trikot der IceTigers. Viele Beobachter halten Bjorkstrand für mittelmäßig. Dennoch hat er bislang keine schlechte Leistung abgerufen. Der Treffer zum Ausgleich war eine Belohnung und gleichzeitig auch eine starke Motivation für die anstehenden Spiele. Auch Brandon Segal belohnte sich endlich wieder für seine grandiose Arbeit und sein unermüdliches, kraftvolles Spiel. Kraftvoll agierte auch David Steckel und nahm dafür zwei Minuten Platz. An dieser Stelle muss man dennoch Daniel Piechaczeck und André Schrader loben. Schon in Nürnberg machten die Beiden einen einwandfreien Job. Berlin schaffte es, trotz schlechter Leistung, im Power Play den Ausgleich zu schießen. Somit war vor dem dritten Drittel, wie so oft in dieser Serie, alles offen.

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Viele Chancen, aber nur zwei Tore! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Schlecht standen die Chancen für die Mannschaft nicht. Petri Vehanen machte keinen sicheren Eindruck. Nahezu alle Schüsse prallten von ihm nach vorne ab. Verwerten konnten das die IceTigers nur beim Ausgleichstreffer. Hier hätten sich mehr schussbereite Stürmer im Slot positionieren müssen. So hätte man durchaus ein paar Treffer erzielen können. Die Berliner Defensive war dort nämlich kaum vertreten.

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Im dritten Drittel gab die Mannschaft das Spiel aus der Hand. Berlin machte vor, wie man es in einem dritten Drittel im fünften Duell spielen muss: Chancen verwerten und dem Gegner keine Chance lassen, eine Antwort zu finden. Die Eisbären haben ihre Chancen eiskalt verwertet, die Antwort verhindern konnte die Mannschaft von Uwe Krupp aber nicht. Leo Pföderl und John Mitchell machten innerhalb von 34 Sekunden den Ausgleich perfekt. Die Mannschaft war zurück in der Erfolgsspur und hätte das Spiel in den finalen Minuten entscheiden können. Wäre Berlin nicht zu den zwei schnellen Treffern zu Beginn des Drittels gekommen, hätte Nürnberg vermutlich gewonnen. Es stand aber 4:4. Es ging in die Verlängerung (Erinnerung an den Kommentar zum Spielausgang von Michael Fischer zu Beginn dieses Blogs).

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Der Ausgleich, der Jubel, alles war perfekt! [Foto: Thomas Hahn]

In der Verlängerung war ein ausgeglichenes Spiel zu sehen. Jede Mannschaft hätte in jedem Moment das entscheidende Tor machen können. Mein Gefühl sagte mir, dass dieses Spiel nicht gut ausgehen würde. Dennoch stand ich zitternd an der Bande und hoffte für dieses eine Mal, dass mich mein Gefühl täuschen könnte. Patrick Reimer, Marcus Weber, Leo Pföderl, John Mitchell, Steven Reinprecht und Dane Fox hätten meine Glückshormone und die Hormone von allen Fans in fremde Sphären bringen können. Taten sie aber nicht. Es fehlten nur Zentimeter, aber diese Zentimeter fehlten eben am Ende. Fehlen tat auch eine Strafe gegen Berlin, nachdem Taylor Aronson in der offensiven Zone niedergestreckt wurde. Direkt im Anschluss traf Mark Olver zum 5:4. Entscheidend war die Entscheidung der Schiedsrichter nicht. Die Ice Tigers hätten das Spiel schon viel früher entscheiden müssen.

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Olver sticht ins Nürnberger Eishockeyherz! [Foto: Thomas Hahn]

Berlin führt die Serie nun also mit 3:2 an. Das ist kein Problem. Nürnberg wird auch am Sonntagnachmittag in Nürnberg gewinnen und die Serie ausgleichen. Damit wäre aber immer noch nicht das Problem gelöst, dass die Mannschaft einen Auswärtssieg zum Einzug ins Finale braucht. Ob dieser Auswärtssieg am Dienstag zur Realität wird, oder ob es in einer Woche den Abschied in den Sommer gibt, steht offen. Diese Mannschaft hat aber die Kraft, den Mut, die Stärke und die Zielstrebigkeit dafür, ins Finale einzuziehen. Diese Mannschaft kann sich nur noch selbst schlagen. Diese Mannschaft hat noch sechzig Minuten, um auszugleichen. Diese Mannschaft lebt noch und diese Mannschaft wird am Sonntag zusammen mit 7700 Zuschauern den Ausgleich holen. Dieser Blog wird am Dienstagabend ein Jubiläum (der 50. Blog) und den Einzug ins Finale gegen München feiern. Ich glaub‘ dran – und ihr?

Und bis dahin: Bis die fette Lady singt!

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Kleine Preview für das siebte Spiel? [Foto: Thomas Hahn]

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1 Kommentar

  1. Vielen Dank für deine Einschätzung über mich/uns…. Fachkundig mag sein, aber leider ich ein klein wenig daneben mit meiner Prognose… lag aber mehr an unserer Mannschaft als an mir.
    War nett dich kennengelernt zu haben…. Toller Blog, mach weiter so. Gruß Kalle

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